Ein altes Holzboot mit heller Persenning liegt am Steg im Hafen Kollmar und schaukelt leicht in den Wellen.

Cappuccino am Hafen Kollmar

Ombra Celeste Magazin


Ein Nachmittag an der Elbe, an dem der Kopf sich von selbst leert.

Die Mole an einem Augusttag

Die Tasse ist noch halb voll, der Schaum längst in feine Blasen zerfallen, als ich sie wieder abstelle und über das Wasser sehe. Vierundzwanzig Grad, mal Sonne, mal Wolken, ein Wind, der mit vielleicht zwanzig Stundenkilometern über den Deich zieht und die kleine Kollmarer Mole streift, an der ich sitze. Die Elbe liegt breit vor mir, die Fahrrinne nah am Ufer, unverstellt, mit der langgestreckten, bewaldeten Silhouette der Insel Pagensand, die weiter draußen im Strom liegt.

Neben mir auf der Bank liegt eine zusammengefaltete Zeitung, die jemand vor mir dort vergessen oder bewusst liegen gelassen hat, die Seiten leicht vom Wind gewellt. Ich schlage sie nicht auf. Es würde diesem Nachmittag nichts hinzufügen, eher etwas wegnehmen, das Gefühl, ganz bei dem zu sein, was gerade vor mir liegt, statt bei dem, was irgendwo sonst in der Welt gerade passiert.

Die Sonne, wenn sie zwischen den Wolken hervorkommt, trifft die Wellen in einem Winkel, der das Wasser in unzählige kleine, harte Lichtpunkte zerlegt, die sich mit jedem Windstoß neu anordnen. Ich halte die Tasse in beiden Händen, obwohl es dafür eigentlich zu warm ist, einfach weil sich das Porzellan gut anfühlt, während der Wind an den Ärmeln zerrt. Das Kollmar-Schild am Anleger steht unbewegt gegen den Himmel, während irgendwo dahinter ein leises Knarren zu hören ist, das im allgemeinen Rauschen fast untergeht.

Ich komme oft hierher, ohne dass sich das je zu einer festen Gewohnheit verdichtet hätte, eher zu etwas, das sich von selbst wieder einstellt, sobald der Kopf zu voll wird. Kollmar ist kein Ort, an dem viel passiert, ein Deich, ein kleiner Hafen, ein paar Häuser, dahinter die Marsch mit ihren alten Reetdachkaten und satten Wiesen. Genau das macht diesen Fleck so verlässlich: Er verlangt nichts, er bietet nur die Elbe an, breit und gleichgültig gegenüber allem, was am Ufer gerade in einem vorgeht.

Der kleine Anleger liegt ruhig da, ein Fahrradfahrer macht kurz Pause, das Rad am Geländer angelehnt, während er auf sein Telefon blickt. Zwei Wanderer mit Rucksäcken sitzen etwas weiter auf einer zweiten Bank, ihre Wanderstöcke ordentlich nebeneinander abgestellt, offenbar auf dem Elbdeichweg unterwegs, der hier direkt vorbeiführt.

Ein Frachter zieht weit draußen auf der Fahrrinne vorbei, kaum mehr als eine dunkle Silhouette, die so langsam wirkt, dass die Bewegung sich erst nach einer Weile bemerkbar macht. Die Wellen, die er auslöst, erreichen die Mole viele Minuten später, klatschen gegen die alten Poller, unregelmäßig, mal lauter, mal kaum hörbar, während der Wind über den Deich weiterzieht, ohne sich davon beeindrucken zu lassen.

Am Steg gegenüber liegen zwei kleinere Sportboote, deren Besitzer offenbar gerade nicht in der Nähe sind, ihre Fender quietschen leise gegen die Holzpfähle, ein Geräusch, das sich mit dem Möwenschrei und dem fernen Motorengeräusch eines vorbeituckernden Fischerboots zu einem eigenen kleinen Klangteppich verwebt. Kein einzelnes dieser Geräusche würde für sich genommen auffallen, aber zusammen ergeben sie genau jene Geräuschkulisse, die diesen Ort von jedem Straßencafé in der Stadt unterscheidet.

Zwei Möwen streiten sich um etwas auf dem Steg, ein Stück Brot vermutlich, das jemand fallen gelassen hat, ihr Geschrei kurz und schrill, bevor eine der beiden mit der Beute davonfliegt und Ruhe einkehrt. Der Kaffeeduft aus der Tasse mischt sich mit dem salzig-schlickigen Geruch, den der Wind vom Wasser herüberträgt, eine Mischung, die es so nur hier gibt, an diesem schmalen Streifen zwischen Deich und Fluss.

Ich lehne mich zurück, die Holzbank unter mir leicht rau, an manchen Stellen von Sonne und Regen ausgeblichen. Von hier aus sieht man den ganzen Bogen der Elbe, wie sie sich weiter flussabwärts leicht nach Norden zieht, vorbei an einer Reihe alter Obstbäume, die schon die ersten Äpfel tragen, klein und noch grün, aber schwer genug, um die Zweige leicht durchhängen zu lassen.

Der Wind wird für einen Moment stärker, kräuselt das Wasser sichtbar auf, lässt eine der Halteleinen am Anleger straffer ziehen, ein dumpfes, rhythmisches Geräusch, das zum festen Klangbild dieses Orts gehört, so wie das Möwengeschrei und das ferne Tuten eines Schiffshorns, irgendwo weiter flussaufwärts. Ich trinke den letzten Schluck Cappuccino, inzwischen fast kalt, ohne dass mich das stört.

Manche Orte verlangen nichts, außer dass man sie eine Weile aushält.

Was diesen Nachmittag trägt, ist keine besondere Aktivität, sondern das Fehlen einer. Ich muss hier nichts erreichen, nichts entscheiden, niemandem antworten. Der Deich hinter mir schirmt das Land ab, vor mir liegt nur Wasser, so weit das Auge reicht, und genau in diesem Zwischenraum, weder ganz an Land noch auf dem Fluss, wird der Kopf leichter, ohne dass ich bewusst etwas dafür tun würde.

Zwei Augensterne im Wasser

Irgendwann, während die Sonne wieder hinter einer der größeren Wolken verschwindet, fällt mir auf, wie zwei besonders helle Lichtreflexe auf dem Wasser für einen Moment stillzustehen scheinen, während alles um sie herum weiter flimmert und sich bewegt. Mit ein wenig Fantasie sehen sie aus wie zwei himmelblaue Augen, die kurz aus den Wellen auftauchen und einen ansehen, bevor der nächste Windstoß sie wieder zerstreut.

Ich weiß genau, dass es nur Licht ist, das sich an zwei bestimmten Wellenkämmen bricht, nichts weiter, keine Botschaft, kein Zeichen. Trotzdem bleibe ich einen Moment hängen an diesem Bild, zwei Augensterne, die aus dem Wasser blitzen, verschwinden, an einer anderen Stelle wieder aufblitzen, als würde die Elbe kurz zurückschauen, bevor sie sich wieder in ihr gewohntes, gleichgültiges Glitzern zurückzieht.

Solche Bilder kommen mir hier häufiger, an keinem anderen Ort so oft wie an diesem Deich. Ich glaube, es liegt an der Weite selbst, an der Tatsache, dass hier nichts die Aufmerksamkeit gezielt lenkt, kein Schaufenster, kein Bildschirm, keine Überschrift. Der Blick darf einfach schweifen, und irgendwann fängt er an, Muster zu erfinden, wo eigentlich nur Wasser und Licht sind.

Ich erinnere mich an einen anderen Nachmittag, vor einigen Jahren, an dem ich mit meinem Vater hier saß, der als Maler ein Auge für genau solche flüchtigen Lichtmomente hat, das ich selbst nie ganz erreichen werde. Er zeigte mit dem Kinn auf eine ähnliche Stelle im Wasser und sagte nur, das müsse man festhalten, bevor es weg ist, ohne dass er je zu Pinsel oder Skizzenblock gegriffen hätte. Manche Dinge bleiben lieber ungemalt.

Damals fragte ich ihn, ob er nicht wenigstens ein Foto davon machen wolle, für später, als Vorlage. Er schüttelte den Kopf, sagte, ein Foto würde nur das Licht von diesem einen Moment einfrieren, aber nicht das Gefühl, das dazugehört, den Wind, den Geruch, die Kälte der Bank unter einem. Ich habe damals nicht ganz verstanden, was er meinte, aber ich verstehe es jetzt besser, hier, mit einer Tasse in der Hand, die selbst schon wieder kalt geworden ist, während das Bild vor mir sich längst wieder verändert hat.

Manchmal blinzelt der Fluss zurück, und man weiß genau, dass es nur Licht ist.

Diese kleine Unschärfe zwischen dem, was tatsächlich da ist, und dem, was man hineinlegt, gehört zu den Dingen, die mich an diesem Ort immer wieder zurückbringen. Ein Zusammenhang, der sich auch in anderen Betrachtungen über das Verhältnis von Beobachtung und Deutung findet, näher beschrieben unter Gehen ohne Richtung, wo ebenfalls ein Weg erst durch das entsteht, was der Betrachter selbst hineinträgt, nicht durch das, was objektiv dort liegt.

Die Augensterne blitzen noch einmal auf, weiter draußen jetzt, kurz bevor eine größere Wolke die Sonne endgültig verdeckt und das ganze Wasser in ein gleichmäßiges, stumpfes Grau taucht. Das Spiel ist vorbei, für den Moment, aber ich weiß, dass es zurückkehrt, sobald die Sonne wieder durchbricht, verlässlich wie das Klatschen der Wellen gegen die Poller.

In dieser kurzen grauen Phase wirkt der ganze Hafen plötzlich nüchterner, funktionaler, fast wie ein anderer Ort. Die Farben verlieren ihre Tiefe, das Wasser wird zu einer einzigen, undifferenzierten Fläche, und selbst die Möwen scheinen für einen Moment stiller zu werden, als würden auch sie auf die Rückkehr der Sonne warten. Ich nutze diese Pause, um mir die Beine zu vertreten, ein paar Schritte auf dem Deich entlang, während der Wind mir kühl entgegenweht und die letzten Reste des Kaffeegeschmacks von den Lippen trägt.

Kinder am Strand

Ein Stück weiter, dort, wo etwa fünfzig Meter unterhalb des Deichs der schmale Sandstrand beginnt, tollen mehrere Kinder herum, drei oder vier, schwer zu zählen bei der Bewegung. Eines von ihnen, ein Junge in einer viel zu großen Schwimmweste, rennt der Elbe entgegen, bleibt kurz vor dem Wasser stehen, als hätte er es sich im letzten Moment anders überlegt, und rennt dann doch weiter, mit einem Quietschen, das bis zur Mole herüberweht.

Direkt am Fuß des Deichs, dort, wo Beton in Sand übergeht, hat jemand mit Muscheln und kleinen Treibholzstücken eine Art improvisierte Grenzlinie gelegt, offenbar ein Spiel, dessen Regeln nur den Kindern selbst bekannt sind. Ein Ball rollt kurz über diese Linie, löst einen Streit aus, der ebenso schnell wieder beigelegt wird, wie er begonnen hat, mit einem Achselzucken und einem neuen Anlauf, als sei nichts gewesen. Solche kleinen Konflikte lösen sich hier offenbar von selbst, ohne dass ein Erwachsener eingreifen müsste.

Ein Mädchen sitzt etwas abseits im Sand, konzentriert damit beschäftigt, kleine Kanäle zu graben, die das nachrückende Wasser sofort wieder auffüllt, ohne dass sie das zu stören scheint. Sie gräbt einfach weiter, mit der Ausdauer eines Menschen, der keinen Grund braucht, um etwas zu tun. Ihre Mutter sitzt auf einer Decke etwas dahinter, ruft gelegentlich etwas herüber, das im Wind kaum zu verstehen ist, und wird ebenso gelegentlich ignoriert.

Zwei ältere Jungen werfen sich einen halb aufgeblasenen Wasserball zu, der bei jedem Wurf mehr Wasser aufnimmt, als er verliert, sodass er zunehmend schwerer wird und immer öfter ins Wasser fällt statt in die ausgestreckten Hände. Jedes Mal, wenn das passiert, folgt lautes Gelächter, das über den Sand bis zu mir herüberklingt, unbeschwert auf eine Weise, die man als Erwachsener kaum noch reproduzieren kann, egal wie sehr man sich bemüht.

Kinder brauchen keinen Grund zum Lachen. Sie sind einfach schon dabei.

Ein kleineres Kind, kaum älter als drei, sitzt einfach nur da, wo der Sand nass wird, lässt sich von jeder kleinen Welle die Füße umspülen, mit einem Gesichtsausdruck zwischen Erstaunen und tiefster Zufriedenheit, als würde jede einzelne Welle eine völlig neue Erfahrung darstellen, obwohl sie sich seit Minuten in derselben Form wiederholt. Vielleicht ist genau das der Unterschied, den ich hier draußen am Kaffeetisch nicht mehr habe: dass jede Welle für mich längst dieselbe ist.

Der Junge mit der Schwimmweste hat inzwischen einen Freund gefunden, oder zumindest jemanden, mit dem er gemeinsam gegen die auflaufenden Wellen anrennt, beide kreischend vor Vergnügen, wenn eine größere Welle sie fast umwirft. Ihre Eltern, weiter oben am Deich, schauen kaum hin, offenbar vertraut genug mit diesem Strand, um zu wissen, dass hier wenig passieren kann, außer nassen Hosen und müden Beinen am Abend.

Ein Zusammenhang, der sich auch in anderen Betrachtungen über das Ankommen an einem Ort findet, näher beschrieben unter Der Moment des Ankommens, wo es ebenfalls um jene Orte geht, an denen sich verschiedene Menschen auf ganz unterschiedliche Weise sammeln, ohne einander im Weg zu stehen, jeder auf seine eigene Art präsent, ohne dass die Präsenz der einen die der anderen schmälern würde.

Ich beobachte das eine Weile, ohne dass sich in mir der Wunsch regt, selbst hinunterzugehen. Es reicht, von hier aus zuzusehen, wie sich dieser Nachmittag für andere ganz anders anfühlt als für mich, lauter, körperlicher, ohne den Umweg über eine Tasse Kaffee und einen ruhigen Blick aufs Wasser. Beide Formen, diesen Ort zu erleben, passen nebeneinander, ohne sich zu stören, genau wie die Möwen und das Kindergeschrei sich zu einem einzigen Klangbild vermischen, ohne dass eines das andere übertönt.

Das Holzboot am Steg

Als ich aufstehe, um die Beine zu vertreten, fällt mein Blick auf ein kleines Holzboot, das ein Stück weiter am Steg festgemacht liegt, ein alter Holzrumpf glatt lackiert mit heller Persenning über der Mitte, offenbar seit Jahrzehnten in Gebrauch, aber sorgfältig gepflegt. Es schaukelt leicht in den auflaufenden Wellen, das Tau straff gespannt zwischen Bug und Poller, ein zweites lose ins Wasser hängend.

Am Heck hängt ein kleines, verwittertes Schild mit einem Namen, den ich nur mit Mühe entziffern kann, die Farbe größtenteils abgeblättert, nur noch die tiefer eingeritzten Buchstaben halbwegs lesbar. Wer auch immer dieses Boot getauft hat, ist vermutlich längst nicht mehr der Besitzer, oder das Boot selbst hat mehrere Besitzer überdauert, jeder mit seinen eigenen Vorstellungen, was an Deck erneuert und was belassen werden sollte, sodass sich am Ende ein Flickwerk aus verschiedenen Epochen ergibt, das trotzdem irgendwie stimmig wirkt.

Das Holz hat diesen warmen, honigfarbenen Ton, den nur jahrzehntelanger Lack und Sonne gemeinsam erzeugen können, an manchen Stellen leicht abgewetzt, wo Hände immer wieder denselben Griff gesucht haben. Niemand ist in der Nähe, der zu diesem Boot gehören könnte. Es liegt einfach da, wartet auf niemanden Bestimmten, schaukelt vor sich hin, mit einer Gelassenheit, die zu diesem ganzen Nachmittag passt.

Ein loses Ende der Persenning schlägt bei jedem stärkeren Windstoß leicht gegen die Bordwand, ein trockenes Klatschen, das sich in den Gesamtklang des Hafens einfügt, ohne sich davon abzuheben. Im Bootsinneren, soweit ich es von hier aus erkennen kann, liegt eine zusammengerollte Persenningschnur, ein alter Blecheimer, dessen Farbe kaum noch zu bestimmen ist, und ein Paar Ruderdollen, die schon lange kein Ruder mehr gehalten haben, seit vermutlich ein kleiner Innenborder diese Aufgabe übernommen hat.

Ich gehe ein paar Schritte näher, lege eine Hand auf das Geländer am Steg, der bei jedem meiner Schritte leise unter mir knarzt, altes Holz gegen altes Holz. Das Boot hebt und senkt sich in einem Rhythmus, der nichts mit meinem eigenen Atem zu tun hat und sich trotzdem irgendwann darauf zu legen scheint, bis beides fast im Gleichklang läuft, ohne dass ich das bewusst gesteuert hätte.

Ein Angler kommt den Steg entlang, nickt kurz, ohne stehen zu bleiben, seine Ausrüstung über der Schulter, offenbar auf dem Weg zu einer der weiter draußen liegenden Stellen, an denen sich, wie er im Vorbeigehen halb zu sich selbst sagt, um diese Zeit gerne ein paar Flundern zeigen. Ich frage nicht weiter nach, er ist schon fast vorbei, und die Antwort hätte ohnehin nichts an diesem Nachmittag verändert, außer vielleicht ein wenig mehr Konkretes hinzuzufügen, wo eigentlich keine Ergänzung nötig war.

Ein Boot, das niemand braucht gerade jetzt, schaukelt trotzdem weiter, als wüsste es das nicht.

Die Kinder am Strand sind inzwischen etwas leiser geworden, offenbar müde von all dem Rennen, das kleinste sitzt jetzt auf dem Schoß seiner Mutter, eingewickelt in ein großes Handtuch, während die anderen noch letzte Muscheln sammeln, bevor der Nachmittag endgültig kippt. Die Sonne kommt noch einmal kurz durch, lässt die Augensterne im Wasser ein letztes Mal aufblitzen, bevor eine dichtere Wolkenfront von Westen heraufzieht.

Solche Nachmittage lassen sich nicht wirklich planen, sie stellen sich ein, wenn man oft genug an denselben Ort zurückkehrt, ohne eine bestimmte Erwartung mitzubringen. Ein Gedanke, der sich auch in anderen Beschreibungen von Orten findet, an denen sich Wahrnehmung eher durch Wiederholung als durch Neuheit vertieft, ausführlicher unter Zwischen zwei Schritten liegt eine Welt beschrieben, wo ebenfalls das Vertraute mehr Tiefe freigibt als das erste, überraschte Hinsehen.

Ich bleibe noch eine Weile am Steg stehen, während das Holzboot weiter schaukelt, gleichmäßig, unbeeindruckt davon, ob jemand zusieht oder nicht. Der Wind hat inzwischen etwas nachgelassen, die Wellen werden kleiner, ruhiger, das Klatschen gegen die Poller leiser. Irgendwann drehe ich mich um, gehe zurück zur Bank, wo die leere Tasse noch immer steht, während hinter mir das Boot weiter im gleichen Takt schaukelt, lange nachdem ich selbst den Hafen verlassen habe.

Auf dem Rückweg zur Bank kommt mir noch einmal der Gedanke, dass ich morgen oder übermorgen wahrscheinlich wieder hier sitzen werde, mit einer neuen Tasse, bei anderem Wetter, vielleicht ohne die Kinder am Strand, vielleicht ohne die Augensterne im Wasser, aber mit derselben Elbe, demselben Deich, demselben Gefühl, dass der Kopf hier von ganz allein leichter wird. Das Boot wird vermutlich noch immer am selben Steg liegen, dieselbe Persenning, dasselbe verwitterte Namensschild, unverändert, während ich mich verändere, ein bisschen, jedes Mal aufs Neue.


La fiamma che ti abbraccia – Die Flamme, die dich umarmt.

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