Staubiger Weg im warmen Spätsommerlicht mit breiten Schatten, ruhige Atmosphäre ohne Menschen, spätnachmittägliche Hitze.

Zwischen Schatten und Staub.

Ombra Celeste Magazin


Ein Spätsommermoment, in dem die Zeit schwerer wird und der Tag langsamer atmet.


Der Feldweg zwischen den Stoppeln

Der Weg ist ausgetrocknet bis in den Grund, an manchen Stellen zu feinem, hellem Staub zermahlen, der bei jedem Schritt kurz aufsteigt und sich sofort wieder legt. Rechts und links stehen abgeerntete Getreidefelder, nur noch Stoppeln, gelbbraun, kniehoch, dazwischen vereinzelt liegen gebliebene Ähren, die der Mähdrescher übersehen hat. Es ist später Nachmittag, die Hitze des Tages sitzt nicht mehr auf der Haut, sondern tiefer, in den Waden, im Rücken, in der Art, wie sich der Körper bewegt.

Vereinzelt stehen noch kleine Reste ungemähten Getreides an den Rändern, dort, wo die Maschine offenbar nicht ganz herankam, dünne, vom Wind leicht schräg gedrückte Halme, die sich seltsam fehl am Platz ausnehmen zwischen dem sonst gleichförmig kurzen Stoppelfeld.

Weiter vorn, vielleicht anderthalb Kilometer entfernt, arbeitet ein Mähdrescher, eine gelbe, klobige Maschine, die eine dichte Staubwolke hinter sich herzieht, die höher steht als das Fahrzeug selbst und sich nur sehr langsam wieder auflöst, während die Maschine am Feldrand wendet und in die nächste Bahn einschwenkt. Der Motor ist von hier aus nur als tiefes, gleichmäßiges Brummen zu hören, unterbrochen von einem höheren Ton, wenn die Maschine beschleunigt, um eine neue Reihe anzusetzen.

Hinter dem Mähdrescher fährt in einigem Abstand ein zweites Fahrzeug mit, ein Traktor mit einem großen, offenen Anhänger, der sich in regelmäßigen Abständen füllt, wenn das Schneidwerk über eine Rohrleitung das gedroschene Korn hinüberbläst, ein kurzer, dichter Strahl, der bei jedem Übergang eine eigene, kleinere Staubfahne erzeugt. Das Zusammenspiel beider Maschinen wirkt eingeübt, fast choreografiert, ohne dass erkennbar wäre, wer wem in diesem Moment tatsächlich das Tempo vorgibt.

Die Luft steht nicht wirklich still, aber sie bewegt sich zäh, ein Wind, der eher spürbar als sichtbar ist, gerade genug, um den aufgewirbelten Staub in flachen Schleiern über die Stoppelfelder zu tragen, bevor er sich in der Weite verliert. Er riecht nach trockenem Stroh, nach warmem Erdreich und, wenn der Wind vom Mähdrescher herüberweht, nach heißem Metall und verbranntem Diesel.

Irgendwo weiter hinten, jenseits der sichtbaren Feldgrenze, ist gelegentlich das dumpfe Geräusch eines vorbeifahrenden Lastwagens auf einer nicht einsehbaren Landstraße zu hören, kurz aufkommend, wieder verklingend, ein Hinweis darauf, dass die eigentliche Welt mit ihrem Verkehr und ihrer Eile nicht weit entfernt ist, auch wenn sie von hier aus vollkommen unerreichbar wirkt.

Ein Feld nach der Ernte erzählt nichts mehr von dem, was auf ihm gewachsen ist, nur noch von der Maschine, die es geerntet hat.

Der Weg selbst ist keiner der breiten, befestigten Wirtschaftswege, sondern eher eine ausgefahrene Spur zwischen zwei Feldern, an manchen Stellen so tief eingedrückt von Traktorreifen, dass sich kleine Rinnen gebildet haben, in denen sich Staub besonders dicht sammelt. Meine Schuhe sind nach wenigen hundert Metern von einer feinen, hellgrauen Schicht überzogen, die sich nicht abklopfen lässt, ohne noch mehr davon aufzuwirbeln.

An einer besonders tiefen Stelle der Fahrspur hat sich vor vermutlich einigen Wochen, nach einem der letzten Regenschauer des Sommers, eine kleine Pfütze gebildet, die längst ausgetrocknet ist, aber eine rissige, kachelartige Oberfläche hinterlassen hat, ein Muster aus unregelmäßigen Sechs- und Fünfecken, das sich unter dem Schuh beim Betreten in einzelne, spröde Platten zerbricht.

Ein Hase bricht plötzlich aus den Stoppeln hervor, wenige Meter vor mir, rennt in einem unmotiviert wirkenden Zickzack über das offene Feld, bevor er in einer Senke verschwindet, die von hier aus nicht einsehbar ist. Für einen Moment ist nur dieses Geräusch da, das trockene Rascheln zwischen den Halmen, dann wieder das ferne Brummen des Mähdreschers und die Stille dazwischen, die keine echte Stille ist, sondern eher ein gleichmäßiger, sehr leiser Grundton aus Wind, fernem Verkehr und Insekten.

Über den Stoppeln kreisen zwei Bussarde, hoch genug, dass sie kaum mehr als Punkte sind, offenbar angezogen von dem, was der Mähdrescher aufscheucht, Mäuse, kleine Vögel, alles, was in den letzten Halmen keinen Schutz mehr findet. Einer der beiden Vögel stürzt kurz ab, verschwindet für einen Moment hinter der Kuppe eines flachen Hügels, taucht dann wieder auf, ohne dass sich erkennen ließe, ob der Sturzflug erfolgreich war.

Der Himmel ist an diesem Nachmittag nicht wolkenlos, aber die wenigen Wolken stehen so hoch und ausgedünnt, dass sie kaum nennenswerten Schatten werfen, eher wie ein sehr feines, fast durchsichtiges Gewebe über der Sonne liegen, die dadurch nicht grell, sondern gleichmäßig diffus auf die weiten Felder scheint. Genau dieses Licht, ohne scharfe Schatten, lässt die Landschaft flacher wirken, als sie ist, jede Bodenwelle, jede leichte Senke im Feld verliert ihre Kontur.

An einer Stelle kreuzt ein zweiter, schmalerer Pfad den Hauptweg, kaum mehr als eine Trittspur, die vermutlich von Spaziergängern mit Hunden entstanden ist, die hier regelmäßig unterwegs sind. Ich bleibe kurz stehen, unschlüssig, welchen der beiden Wege ich nehmen soll, entscheide mich dann für den Hauptweg, weil er direkter auf den Mähdrescher zuführt, dessen Fortschritt ich seit einigen Minuten beobachte, ohne genau zu wissen, warum mich das interessiert.

Auf dem schmaleren Pfad liegt, soweit erkennbar, noch deutlich mehr Hundekot als auf dem Hauptweg, ein eher unschönes, aber ziemlich eindeutiges Indiz dafür, welcher der beiden Wege tatsächlich der beliebtere ist, unabhängig davon, welcher auf einer Karte als der offizielle gelten würde.

Der Staub, der beim Gehen aufsteigt, bleibt für einen Moment in der Luft hängen, bevor er sich wieder senkt, feine Partikel, die im schrägen Licht kurz sichtbar werden, fast golden, dann wieder unsichtbar. Diese kleinen, flüchtigen Momente wiederholen sich mit jedem Schritt, unauffällig, kaum der Rede wert, und doch prägen sie den ganzen Nachmittag mehr als irgendein einzelnes größeres Ereignis es könnte.

An einer Stelle liegt eine leere Zigarettenschachtel im Staub, verblichen, halb von einer Pfütze zerlaufener Farbe umgeben, die inzwischen selbst zu Staub geworden ist. Niemand hier in der Nähe raucht sichtbar, weder der Mann am Mähdrescher noch sonst jemand, den ich bisher gesehen habe. Die Schachtel liegt einfach da, ein kleiner, unerklärter Rest, der zu keiner der Geschichten passt, die sich auf diesem Weg sonst erzählen ließen.

Am Feldrand, dort wo der Weg leicht ansteigt, liegt ein umgekippter, halb verrosteter Absperrpfosten im Gras, offensichtlich schon seit Jahren dort, die ursprüngliche Funktion nicht mehr erkennbar. Niemand hat ihn wieder aufgestellt, niemand hat ihn entfernt. Er liegt einfach da, wie so vieles am Rand landwirtschaftlicher Wege, das weder gebraucht noch bewusst entsorgt wird.

Direkt daneben wächst ein einzelner, verkümmerter Holunderstrauch, der es trotz der kargen, trockenen Bedingungen zu ein paar dunklen Beerendolden gebracht hat, während die meisten anderen Sträucher entlang des Weges deutlich karger aussehen. Warum ausgerechnet dieser eine Strauch so viel besser gedeiht als seine Nachbarn, lässt sich von hier aus nicht erklären, vielleicht eine verborgene Wasserader, vielleicht einfach Zufall.

Ein kurzes Gespräch am Feldrand

Der Mähdrescher kommt näher, und irgendwann, an einer Wendestelle direkt am Weg, hält er an, der Motor läuft weiter, aber die Erntevorrichtung senkt sich, und aus der Fahrerkabine, hoch über mir, klettert ein Mann in blauem Arbeitsanzug herunter, um etwas an der Vorderseite der Maschine zu prüfen. Er bemerkt mich erst, als er schon fast unten ist, nickt kurz, ruft etwas, das im Motorenlärm zunächst unverständlich bleibt, bis er näher kommt und es wiederholt: ob ich zufällig ein Handy dabei hätte, seins habe gerade keinen Empfang mehr.

Ich reiche ihm mein Telefon, er wählt eine Nummer, die er offenbar auswendig kennt, spricht kurz mit jemandem über eine Verzögerung, weil ein Sensor am Schneidwerk offenbar Fehlermeldungen produziert, die er sich nicht erklären kann. Das Gespräch ist technisch, für mich kaum verständlich, etwas über einen Ertragssensor und eine Kalibrierung, die schon am Vormittag nicht richtig funktioniert habe.

Während er telefoniert, betrachte ich die Maschine aus der Nähe, größer, als sie von Weitem wirkte, mit Reifen, die mir bis zur Brust reichen, und einer Kabine, die hoch über allem thront, verglast, mit einem Bildschirm darin, auf dem, soweit ich es von unten erkennen kann, eine Karte des Feldes mit farbig markierten Bereichen zu sehen ist, vermutlich genau jene Ertragsdaten, um die es in dem Telefonat gerade geht.

Er reicht mir das Telefon zurück, bedankt sich, wischt sich mit dem Handrücken über die Stirn, auf der sich Staub und Schweiß zu einer feinen, grauen Schicht vermischt haben. Ich frage, wie lange die Ernte hier noch dauern werde. Er zuckt mit den Schultern, meint, eigentlich hätte er heute noch fertig werden wollen, aber mit diesem Sensorproblem werde das wohl nichts mehr, vielleicht morgen früh, wenn der Techniker vorbeikommen könne, vielleicht auch erst übermorgen.

Auf dem Feld entscheidet selten der Plan, meistens die Maschine.

Er erzählt, mehr zu sich selbst als zu mir, dass genau dieser Sensor erst im vergangenen Winter neu eingebaut worden sei, eigentlich um die tägliche Feldarbeit spürbar zu erleichtern, exakte Ertragsdaten für jedes einzelne, noch so kleine Feldstück, aber seither gebe es immer wieder solche unerklärlichen Aussetzer, ohne dass der zuständige Händler bislang eine wirklich befriedigende Erklärung dafür gehabt hätte. Er klingt dabei nicht wirklich verärgert, eher resigniert auf eine Art, die vermuten lässt, dass er mit technischen Problemen dieser Art schon lange rechnet, bei jeder neuen Anschaffung aufs Neue.

Während er spricht, klopft er mehrmals mit der flachen Hand gegen die Verkleidung des Schneidwerks, eine Geste, die eher aus Gewohnheit zu kommen scheint als aus der tatsächlichen Erwartung, dass sie etwas bewirkt. Staub rieselt von der Maschine, legt sich auf seine bereits staubigen Ärmel, ohne dass er das überhaupt zu bemerken scheint. Irgendwo tief in der Maschine klickt etwas, kurz, unregelmäßig, ein Geräusch, das er offenbar auch nicht recht zuordnen kann, denn er hält kurz inne und lauscht angestrengt, bevor er weiterspricht.

Ich frage, ob der Sensor denn überhaupt zwingend notwendig sei, ob man nicht auch ohne diese genauen Ertragsdaten ernten könne, so wie es vermutlich über Jahrzehnte hinweg üblich gemacht wurde. Er lacht kurz auf, kein bitteres Lachen, eher amüsiert, und sagt, natürlich gehe das auch ohne, aber die Bank wolle heutzutage nun einmal Zahlen sehen, genaue Zahlen, bevor sie überhaupt über den nächsten Kredit für eine neue Maschine reden würde. Während er das sagt, schaut er dabei nicht mich an, sondern auf den Bildschirm in der Kabine, als würde er die Antwort eher dort suchen als in unserem Gespräch, und schweigt einen Moment zu lange, bevor er mit der eigentlichen Beschreibung des Sensorproblems fortfährt. Diese Antwort überrascht mich mehr, als sie sollte, ein Nebensatz über eine Bank, der plötzlich eine ganz andere Ebene in dieses Gespräch über Erntewetter und Staub hineinbringt, ohne dass ich recht wüsste, was ich darauf erwidern sollte.

Er fügt noch hinzu, fast beiläufig, dass sein Vater diesen Hof noch komplett ohne solche Systeme bewirtschaftet habe, mit einem alten Mähdrescher, den er selbst als Kind noch gefahren sei, bevor der Wagen verkauft wurde, weil er für die inzwischen zusammengelegten, deutlich größeren Flächen längst zu klein geworden war. Er sagt das ganz ohne erkennbare Nostalgie, eher wie eine Randbemerkung, die zufällig in dieses Gespräch über einen kaputten Sensor hineingerutscht ist und genauso schnell wieder verschwindet, wie sie gekommen ist.

Er steigt wieder in die Kabine, bevor ich eine passende Antwort gefunden habe, ruft noch etwas nach unten, das ich diesmal wirklich nicht verstehe, vielleicht ein Dank, vielleicht eine Bemerkung über das Wetter, und der Mähdrescher setzt sich mit einem tiefen, mechanischen Ruck wieder in Bewegung, allerdings nicht in Richtung Feld, sondern langsam den Weg entlang, in Richtung des Hofes, den ich von hier aus nicht sehen kann.

Der Traktor mit dem Anhänger, der zuvor im Hintergrund gewartet hatte, folgt dem Mähdrescher in einigem Abstand, der junge Fahrer darin winkt mir kurz zu, mit einer Geste, die eher Routine ist als echte Aufmerksamkeit, und beide Maschinen verschwinden gemeinsam hinter einer leichten Bodenwelle, ihr Motorengeräusch noch eine Weile hörbar, bevor es sich endgültig im allgemeinen Nachmittagsgeräusch der Felder auflöst.

Ich bleibe noch einen Moment stehen, während die Staubwolke der Maschine sich über den Weg legt, den ich eben noch entlanggegangen bin, bevor sie sich langsam verzieht und wieder Sicht auf die Stoppeln freigibt, jetzt ohne die Maschine, still, fast so, als wäre nichts geschehen. Nur die frischen, tiefen Reifenspuren im Staub bleiben als Beleg dafür, dass hier eben noch gearbeitet wurde.

Die Bemerkung über die Bank geht mir noch eine ganze Weile nach, während ich weitergehe, ohne dass ich sie wirklich einordnen könnte. Vielleicht war es nur eine beiläufige Klage, wie sie an einem solchen Nachmittag zufällig fällt, vielleicht steckt tatsächlich mehr dahinter, eine größere, ernstere Sorge, die der Mann bewusst nicht weiter ausgeführt hat und die ich jetzt, allein auf diesem staubigen Feldweg, auch nicht mehr für ihn auflösen kann.

Der Rückweg im tieferen Licht

Die Sonne steht inzwischen deutlich tiefer, das Licht hat seine mittägliche Diffusität verloren, wirft jetzt lange, klar gezeichnete Schatten von den wenigen Bäumen am Feldrand, die sich über den Weg legen, unterbrochen von hellen Streifen, wo die Sonne noch ungehindert durchkommt. Ich gehe denselben Weg zurück, den ich gekommen bin, ohne dass er sich in diesem anderen Licht noch besonders ähnlich anfühlt.

Der Staub liegt jetzt schwerer, hat sich nach der Durchfahrt des Mähdreschers stärker verdichtet, an manchen Stellen zu einer fast glatten, hellen Fläche zusammengedrückt, in die sich die Reifenspuren wie ein grobes Reliefmuster eingeprägt haben. Ich gehe eine Weile genau in diesen Spuren, weil der Boden dort fester ist als daneben, wo er noch locker und fein aufliegt.

Ein Zusammenhang, der sich auch in anderen Betrachtungen über das Verhältnis zwischen Weg und Spur findet, näher beschrieben unter Linien, die uns heimwärts tragen, wo es ebenfalls um jene Abdrücke geht, die eine Bewegung hinterlässt, lange nachdem sie selbst schon vorüber ist und niemand mehr an sie denkt.

Ich denke an den Sensor, an die Bank, an die kurze, fast beiläufige Art, mit der der Mann seine Sorge erwähnt und sofort wieder hinter der eigentlichen Aufgabe, dem Telefonat, dem Wiedereinsteigen in die Kabine, verschwinden ließ. Solche Sätze bleiben oft länger hängen als ganze Gespräche, gerade weil sie nicht weiter ausgeführt werden, weil sie einen Raum offenlassen, den man selbst nicht füllen kann und vielleicht auch gar nicht füllen sollte, so unbequem diese Leerstelle im Nachhinein auch sein mag.

Ich versuche mir vorzustellen, wie oft solche kurzen, halb ausgesprochenen Sorgen an einem einzigen Erntetag über dieses Feld ziehen, unbemerkt von allen außer demjenigen, der sie gerade denkt, während die Arbeit weitergeht, weil sie weitergehen muss, unabhängig davon, was gerade sonst noch im Kopf verhandelt wird. Der Gedanke bleibt unvollständig, ich komme zu keinem rechten Ergebnis dabei, und irgendwann gebe ich das Nachdenken darüber auf, ohne dass sich an der eigentlichen Sache dadurch irgendetwas geändert hätte.

Manche Sätze bleiben genau deshalb hängen, weil niemand sie zu Ende gesprochen hat.

Ein Traktor kommt mir entgegen, deutlich kleiner als der Mähdrescher, mit einem leeren Anhänger, der bei jeder Unebenheit im Weg laut scheppert. Der Fahrer, jünger als der Mann vom Mähdrescher, vielleicht ein Sohn oder ein Angestellter, hebt kurz die Hand, ohne anzuhalten, und fährt weiter in Richtung des Feldes, das ich eben verlassen habe, vermutlich um dort etwas zu erledigen, das mit dem defekten Sensor zu tun hat, vielleicht auch mit etwas völlig anderem.

Der Anhänger hinter ihm ist mit Getreidestaub und Spelzen bedeckt, die bei jedem Schlagloch in kleinen Wolken aufwirbeln und sich hinter dem Fahrzeug zu einer eigenen, kurzlebigen Spur in der Luft formen, bevor sie sich auf dem ohnehin schon staubigen Weg wieder absetzen, kaum unterscheidbar von allem, was schon vorher dort lag.

Der Weg führt an einer Stelle vorbei, an der zwischen zwei Stoppelfeldern ein schmaler Streifen unbewirtschafteten Landes liegt, mit hohem, trockenem Gras und vereinzelten Kornblumen, die den Sommer offenbar zäher überstanden haben als das Getreide ringsum. Ich bleibe kurz stehen, ohne recht zu wissen, warum gerade dieser unscheinbare Streifen meine Aufmerksamkeit hält, vielleicht einfach, weil er der einzige Ort weit und breit ist, an dem noch etwas in seiner ursprünglichen Farbe steht, nicht abgeerntet, nicht gelb, sondern grün und blau.

Ein Gedanke zu genau solchen übersehenen Randstreifen, die zwischen bewirtschafteten Flächen fast zufällig übrig bleiben und dadurch eine eigene, kaum bemerkte Bedeutung gewinnen, findet sich auch unter Zwischen zwei Schritten liegt eine Welt, wo es ebenfalls um jene schmalen, unbeachteten Zonen geht, die sich zwischen klar geordneten Flächen behaupten.

Ich erinnere mich, wie mein Vater mir einmal erzählte, dass solche Feldraine früher viel breiter waren, bevor die Bewirtschaftung intensiver wurde, dass er als Kind noch ganze Hecken zwischen den Feldern kannte, die inzwischen fast überall verschwunden sind. Ich weiß nicht mehr genau, in welchem Zusammenhang er das erzählte, nur dass es mich damals kaum interessiert hat und mir jetzt, an diesem schmalen Grasstreifen, plötzlich wieder einfällt, ohne dass ich damit etwas Bestimmtes anfangen könnte.

Ein Gedanke, der sich auch in einer anderen Betrachtung über verlorene Wegränder findet, näher ausgeführt unter Gehen ohne Richtung, wo es ebenfalls um jene Landschaftselemente geht, die sich unbemerkt verändern, während niemand bewusst über ihren Verlust nachdenkt.

Der Feldweg mündet schließlich wieder auf eine schmale Asphaltstraße, an der mein Auto steht, die Windschutzscheibe bereits mit einer feinen, gleichmäßigen Staubschicht überzogen, die sich in der tiefstehenden Sonne golden abzeichnet. Ich wische mit der flachen Hand über das Glas, was den Staub eher verschmiert als entfernt, und lasse es dann einfach so.

Beim Einsteigen sehe ich noch einmal zurück zum Feld, wo der Mähdrescher jetzt reglos am Rand steht, die Erntevorrichtung abgesenkt, offenbar für den Rest des Tages aufgegeben. Irgendwo dahinter, nicht sichtbar von hier, liegt der Hof, zu dem die Maschine unterwegs war, und irgendwo dazwischen, in einem Telefonat, das ich nicht mitbekommen habe, entscheidet sich vermutlich gerade, ob morgen früh ein Techniker kommt oder erst übermorgen, eine Entscheidung, die mit dem, was ich auf diesem Weg gesehen habe, nichts mehr zu tun hat und mich trotzdem noch eine Weile beschäftigt, während ich losfahre und der staubige Feldweg im Rückspiegel kleiner wird.

Auf der Straße, während ich langsam anfahre, kreuzt kurz ein weiteres landwirtschaftliches Fahrzeug meinen Weg, ein kleiner Schlepper mit einer Egge im Schlepptau, auf einem völlig anderen Feld unterwegs, mit einem völlig anderen Rhythmus, unabhängig von allem, was sich gerade beim Mähdrescher abspielt. Die Landschaft hier scheint aus lauter solchen parallel laufenden, kaum miteinander verbundenen Vorgängen zu bestehen, jeder mit seiner eigenen kleinen Dringlichkeit, die sich niemand anderem wirklich mitteilt.


La fiamma che ti abbraccia – Die Flamme, die dich umarmt.

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