Abgeschiedenheit
Abgeschiedenheit ist Distanz, die man spürt.
Nicht als Strafe, nicht als Verlust —
sondern als Raum,
der sich zwischen einem und der Welt aufgetan hat.
Sie kann ein Ort sein.
Ein Haus am Ende einer langen Straße.
Ein Zimmer, das niemand betritt.
Eine Küste, an der man allein steht.
Aber sie ist vor allem ein Zustand.
Man kann mitten unter Menschen sein
und diese Stille in sich tragen —
dieses Gefühl, ein wenig außerhalb zu stehen.
Einsamkeit sucht Verbindung und findet sie nicht.
Abgeschiedenheit hat sich eingerichtet —
sie hat aufgehört zu suchen,
und darin liegt ihre eigene Ruhe.
Manchmal ist sie gewählt.
Der bewusste Rückzug aus dem Lärm.
Das Bedürfnis nach einem Raum,
in dem man nur sich selbst begegnet.
Manchmal kommt sie ungerufen.
Als hätte die Welt sich unmerklich entfernt —
oder man sich selbst,
ohne es zu bemerken.
Sie lässt sich aushalten.
Wer ihr nicht entflieht,
findet in ihr manchmal etwas,
das Gesellschaft nicht geben kann.
Wer Abgeschiedenheit kennt —
die gewählte und die ungewollte —
weiß dass Stille nicht immer Leere ist,
sondern manchmal der dichteste Raum von allen.