Abgespanntheit
Abgespanntheit ist das Ende von Anspannung.
Nicht Erschöpfung, nicht Leere —
sondern das Nachlassen von etwas,
das lange gehalten hat.
Der Körper meldet sich zuerst.
Die Schultern, die tiefer sinken.
Der Atem, der weiter wird.
Ein Schwereloswerden, das von innen kommt.
Sie entsteht nach dem, was vorbei ist.
Nach dem Gespräch, das man gefürchtet hatte.
Nach der Entscheidung, die gefallen ist.
Nach dem Tag, der alles verlangt hat.
Abgespanntheit und Erschöpfung sind verschieden.
Erschöpfung hat nichts mehr.
Abgespanntheit hat noch etwas —
nur gerade keinen Zugriff darauf.
Sie braucht keinen Anlass zur Erholung.
Manchmal reicht ein Stuhl, ein Fenster, Stille.
Der Körper weiß selbst, was er braucht —
wenn man aufhört, ihn weiterzutreiben.
Manchmal ist sie angenehm.
Das warme Sinken nach einem langen Tag.
Das Gefühl, dass man gegeben hat
was zu geben war — und das genug ist.
Sie lässt sich nicht überspringen.
Wer abgespannt ist und weitermacht,
zahlt später einen höheren Preis —
der Körper rechnet genau.
Wer Abgespanntheit kennt,
weiß dass sie kein Versagen ist —
sondern die ehrliche Quittung
für alles, was man wirklich gegeben hat.