Ahnung

Ahnung kommt vor dem Wissen.
Sie hat keine Beweise,
keine Logik, die sie stützt —
und trotzdem lässt sie sich nicht ignorieren.

Sie meldet sich körperlich.
Ein Ziehen, ein Zögern, ein leises Innehalten.
Der Körper hat etwas registriert,
das der Kopf noch nicht formulieren kann.

Manchmal betrifft sie Gutes.
Das Gefühl, dass etwas kommt —
etwas, das sich richtig anfühlt,
bevor es eingetroffen ist.

Manchmal betrifft sie Schweres.
Eine Unruhe ohne Quelle.
Das Wissen, dass etwas nicht stimmt —
lange bevor es sich zeigt.

Ahnung und Angst sind nicht dasselbe.
Angst kreist, wiederholt, verstärkt sich.
Ahnung ist stiller —
ein einziger Ton, der bleibt.

Sie lässt sich nicht herbeireden.
Wer sie wegerklärt, verliert sie nicht —
sie wartet.
Und manchmal behält sie recht.

Wer ihr folgt, braucht Mut.
Denn sie liefert keine Garantien.
Nur eine Richtung —
und das Vertrauen, dass sie etwas weiß.

Wer Ahnung kennt —
die leise, die hartnäckige —
weiß dass es in uns eine Intelligenz gibt,
die schneller ist als jeder Gedanke.

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