Ambivalenz
Ambivalenz ist kein Zeichen von Unentschlossenheit.
Sie entsteht dort,
wo zwei Wahrheiten gleichzeitig gelten —
und beide recht haben.
Sie zeigt sich selten bequem.
Manchmal als ein Hin und Her,
das nicht aufhört —
weil keine Seite falsch ist.
Ambivalenz ist nicht dasselbe wie Zweifel.
Zweifel sucht eine Antwort.
Ambivalenz hält zwei —
ohne dass eine weichen will.
Sie richtet sich nicht immer auf Entscheidungen.
Manchmal fühlt man
für denselben Menschen,
dieselbe Situation, sich selbst — beides gleichzeitig.
In der Ambivalenz entsteht Spannung.
Nicht als Fehler —
sondern als Zeichen,
dass etwas komplex genug ist, um es auszuhalten.
Sie lässt sich nicht auflösen durch Wahl allein.
Eher wie ein Zustand,
der getragen werden will —
bis eine Seite schwerer wird als die andere.
Ambivalenz lässt sich nicht wegdenken.
Sie entsteht, wenn das Leben
komplizierter ist
als die Kategorien, die man hat.
Sie verändert nicht, was wahr ist.
Aber sie verändert,
wie ehrlich man
mit der eigenen Wahrnehmung ist.
Wer Ambivalenz aushält,
braucht keine einfachen Antworten.
Er hat gelernt,
in der Unauflösbarkeit zu leben.