Angespanntheit

Angespanntheit ist Energie ohne Ausweg.
Sie sammelt sich —
im Nacken, in den Schultern,
in der Art wie man den Kiefer hält.

Sie entsteht vor dem, was noch kommt.
Vor einer Entscheidung, die wartet.
Vor einem Gespräch, das unvermeidlich ist.
Der Körper bereitet sich vor — ob man will oder nicht.

Sie ist nicht dasselbe wie Stress.
Stress überwältigt, überläuft, erschöpft.
Angespanntheit hält — still, konzentriert,
wie ein Bogen kurz vor dem Loslassen.

Manchmal ist sie nützlich.
Sie schärft die Wahrnehmung.
Macht präziser, wacher, gegenwärtiger —
solange sie nicht zu lang bleibt.

Manchmal ist sie Last.
Wenn der Auslöser vergangen ist
und der Körper es noch nicht weiß —
und weiter hält, was längst loslassen könnte.

Sie zeigt sich in Kleinigkeiten.
In der Hand, die zu fest greift.
Im Atem, der flacher wird.
In der Stille, die sich anders anfühlt als sonst.

Sie löst sich selten durch Willen.
Wer sich entspannen befiehlt, spannt an.
Sie braucht einen Moment der Ablenkung —
oder den Moment, auf den sie gewartet hat.

Wer Angespanntheit kennt,
weiß dass der Körper mitdenkt —
lange bevor der Kopf
bereit ist, es zuzugeben.

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