Aufgewühltheit

Aufgewühltheit hat keinen festen Rand.
Sie bewegt sich — in alle Richtungen gleichzeitig,
ohne zu wissen wohin,
ohne es wissen zu wollen.

Sie kommt nach Momenten, die zu groß waren.
Nach einem Gespräch, das zu tief ging.
Nach einer Nachricht, die alles verschoben hat.
Nach einem Erlebnis, das noch nicht verdaut ist.

Der Körper trägt sie mit.
Ein Unruhegefühl im Bauch.
Gedanken, die keine Linie halten.
Die Unfähigkeit, einfach still zu sitzen.

Aufgewühltheit und Unruhe sind verwandt —
aber nicht dasselbe.
Unruhe sucht Ablenkung.
Aufgewühltheit sucht gar nichts — sie ist einfach in Bewegung.

Manchmal kommt sie durch Schmerz.
Manchmal durch Schönheit.
Manchmal durch beides gleichzeitig —
wenn ein Moment so groß war, dass er überwältigt.

Man kann ihr nicht entkommen durch Beschäftigung.
Was sie ausgelöst hat, wartet.
Sie legt sich erst,
wenn man ihr Raum gegeben hat.

Sie trägt etwas in sich.
Wer in ihr bleibt, ohne wegzulaufen,
findet manchmal darunter
etwas, das er so noch nicht kannte.

Wer Aufgewühltheit kennt,
weiß dass die ruhigen Zustände
nicht die einzigen sind, in denen
etwas Wesentliches entsteht.

← Alle Zustände