Aufhellung
Aufhellung kommt ohne Ansage.
Kein Grund, kein Ereignis, kein Entschluss —
nur das Gefühl, dass sich etwas
gerade verschoben hat.
Der Morgen sieht anders aus als gestern.
Nicht weil sich etwas geändert hätte.
Dieselbe Küche, dasselbe Licht —
aber der Blick darauf hat sich gedreht.
Sie kommt nach dunklen Phasen manchmal so.
Unvermittelt, fast unglaubwürdig.
Man traut ihr zunächst nicht —
zu oft hat man geglaubt, es wird besser, und es wurde nicht.
Aufhellung und Freude sind verschieden.
Freude hat einen Anlass, einen Moment, ein Gesicht.
Aufhellung hat keinen —
sie lichtet sich einfach, von innen.
Sie zeigt sich in kleinen Verschiebungen.
In der Art, wie man einen Satz beendet.
In dem, was man auf einmal wieder wahrnimmt —
Farben, Geräusche, den Geschmack von etwas.
Manchmal dauert sie einen Tag.
Manchmal bleibt sie und wird zur neuen Grundlage.
Man weiß es nicht vorher —
man nimmt sie, solange sie da ist.
Sie lässt sich nicht festhalten.
Wer zu sehr darauf achtet, verliert sie.
Sie braucht Beiläufigkeit —
das leise Einverständnis, dass sie willkommen ist.
Wer Aufhellung kennt —
die unerwartete, die unverdiente —
weiß dass Dunkelheit kein Dauerzustand ist.
Auch wenn sie sich manchmal so anfühlt.