Aufschub

Aufschub fühlt sich zunächst wie Erleichterung an.
Noch nicht jetzt.
Noch ein wenig Zeit —
und der Druck lässt kurz nach.

Dann kehrt er wieder.
Leiser zunächst, dann lauter.
Was aufgeschoben wurde, wartet —
und es wartet geduldig.

Er richtet sich selten auf Unwichtiges.
Was man aufschiebt, hat Gewicht.
Gerade deshalb schiebt man es auf —
weil es zählt, weil es fordert, weil es einen angeht.

Manchmal steckt Angst dahinter.
Vor dem Scheitern, vor dem Anfangen,
vor dem Moment, in dem man sich zeigen muss —
und nicht weiß, was dann kommt.

Manchmal steckt Erschöpfung dahinter.
Nicht Faulheit, nicht Gleichgültigkeit —
sondern ein Körper und ein Geist,
die kurz nicht können.

Aufschub kostet.
Nicht immer sofort —
aber er sammelt sich,
und irgendwann ist die Rechnung da.

Er löst sich nicht durch Druck.
Wer sich treibt, produziert Widerstand.
Er löst sich durch einen einzigen kleinen Schritt —
der zeigt, dass Anfangen möglich ist.

Wer Aufschub kennt —
den eigenen, den hartnäckigen —
weiß dass dahinter oft etwas wartet,
das mehr Raum verdient als das Aufschieben selbst.

← Alle Zustände