Ausgeglichenheit

Ausgeglichenheit trägt sich selbst.
Sie braucht keinen besonderen Tag,
kein besonderes Ereignis —
sie ist einfach da, als Grundlage.

Sie zeigt sich in der Reaktion.
In dem, was einen nicht mehr so leicht aus der Bahn wirft.
In der Fähigkeit, Schweres zu empfangen
ohne sofort das Gleichgewicht zu verlieren.

Sie ist kein Hochgefühl.
Wer ausgeglichen ist, jubelt nicht —
er ruht.
In sich, mit sich, ohne Aufhebens.

Gelassenheit trägt sie in sich —
aber Ausgeglichenheit geht weiter.
Gelassenheit hält stand im Sturm.
Ausgeglichenheit braucht keinen Sturm, um sich zu beweisen.

Sie entsteht durch Rhythmus.
Durch Tage, die ein Maß haben.
Durch Schlaf, Bewegung, Stille —
durch das Wissen, was einem gut tut, und das Tun danach.

Manchmal entsteht sie durch Verzicht.
Auf das, was aufwühlt ohne zu nähren.
Auf Reize, die nehmen statt geben.
Auf Tempo, das keinen Sinn hat.

Sie lässt sich pflegen — aber nicht erzwingen.
Wer sie krampfhaft sucht, verkrampft.
Sie wächst langsam,
aus vielen kleinen Entscheidungen für sich selbst.

Wer Ausgeglichenheit kennt,
trägt einen stillen Mittelpunkt in sich —
der sich dreht, wenn das Leben es verlangt,
aber nicht verloren geht.

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