Beklommenheit

Beklommenheit sitzt in der Brust.
Nicht als Schmerz —
als Enge, als Druck,
als würde etwas Platz beanspruchen, das keinen hat.

Sie kommt vor dem, was noch nicht eingetroffen ist.
Vor einem Gespräch, das schwer werden wird.
Vor einer Entscheidung, die wartet.
Vor einem Raum, den man betreten muss.

Sie ist stiller als Angst.
Angst schreit, drängt, will fliehen.
Beklommenheit bleibt —
sie drückt, ohne zu treiben.

Manchmal hat sie keinen Grund.
Ein Morgen, der sich falsch anfühlt.
Eine Unruhe ohne Quelle —
der Körper weiß etwas, das er nicht benennt.

Sie verändert die Wahrnehmung.
Räume wirken kleiner.
Gespräche anstrengender.
Das Einfache wird schwerer als es sein müsste.

Sie legt sich meist von selbst.
Nach dem Gespräch, nach der Entscheidung,
nach dem Moment, den man gefürchtet hatte —
und der sich als tragbar herausstellte.

Manchmal bleibt sie länger.
Dann braucht sie Luft, Bewegung, Weite —
irgendetwas, das der Enge
einen Ausweg zeigt.

Wer Beklommenheit kennt,
weiß dass der Körper oft früher weiß
als der Kopf bereit ist zuzugeben —
dass etwas Aufmerksamkeit verdient.

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