Benommenheit
Benommenheit hat keinen klaren Anfang.
Sie ist einfach da —
ein Schleier, der sich gelegt hat,
ohne dass man es bemerkt hätte.
Die Konturen der Dinge verschwimmen leicht.
Nicht so, dass man es benennen könnte.
Nur so, dass alles
eine Handbreit weiter weg scheint als sonst.
Sie ist nicht dasselbe wie Müdigkeit.
Müdigkeit will Schlaf.
Benommenheit will nichts.
Sie schwebt — und lässt einen schweben.
Manchmal kommt sie nach zu viel.
Nach zu langen Gesprächen, zu vielen Eindrücken.
Der Kopf hat sich gefüllt
und weiß nicht mehr, wohin damit.
Manchmal kommt sie nach zu wenig.
Nach schlaflosen Nächten, nach leerem Warten.
Der Körper hat aufgehört zu fordern —
und treibt einfach.
In der Benommenheit denkt man anders.
Langsamer, weicher, ohne Kanten.
Manche Gedanken, die tagsüber nicht kommen,
finden hier ihren Weg.
Sie lässt sich nicht wegdenken.
Wer gegen sie ankämpft, verstärkt sie.
Sie löst sich auf, wenn man ihr
keinen Widerstand mehr entgegensetzt.
Wer Benommenheit kennt,
weiß dass der Geist nicht immer
scharf sein muss, um zu arbeiten —
manchmal braucht er diese Unschärfe.