Demut

Demut wird oft verwechselt.
Mit Unterwerfung, mit Kleinheit —
dabei ist sie das Gegenteil:
das Wissen um die eigene Größe und ihre Grenzen.

Sie zeigt sich selten laut.
Manchmal in einer Pause,
bevor man urteilt —
weil man weiß, dass man nicht alles sieht.

Demut ist nicht dasselbe wie Bescheidenheit.
Bescheidenheit tritt zurück.
Demut bleibt —
und weiß, wo sie steht.

Sie richtet sich nicht immer nach oben.
Manchmal entsteht sie
im Angesicht von etwas,
das größer ist als man selbst.

In der Demut entsteht Offenheit.
Nicht die erzwungene —
sondern eine, die weiß,
dass das Eigene nicht das Einzige ist.

Sie lässt sich nicht aufsetzen.
Eher wie ein Zustand,
der entsteht,
wenn Ego aufhört, das letzte Wort zu haben.

Demut lässt sich nicht lernen durch Nachdenken.
Sie entsteht in der Begegnung —
mit einem Menschen, einem Moment,
einer Wahrheit, die größer ist als die eigene.

Sie verändert nicht die Welt.
Aber sie verändert,
wie viel Platz
man ihr lässt.

Wer Demut kennt,
braucht nicht recht zu haben.
Er braucht nur
nah an dem zu sein, was wahr ist.

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