Dunkelheit

Dunkelheit hat einen schlechten Ruf.
Dabei ist sie nicht das Gegenteil von Licht —
sondern der Raum,
in dem Licht erst sichtbar wird.

Sie kommt manchmal von außen.
Öfter von innen —
als ein Zustand, der sich legt,
ohne zu fragen.

Wer Dunkelheit kennt, weiß:
sie ist nicht leer.
Sie ist voll —
von dem, was im Hellen übersehen wurde.

Sie fordert nichts.
Aber sie nimmt auch nichts weg —
außer der Illusion,
dass alles sichtbar sein muss.

Manchmal ist Dunkelheit das Ehrlichste.
Wenn das Licht der Erwartungen erlischt
und übrig bleibt,
was wirklich da ist.

Sie weicht nicht dem Willen.
Eher einem geduldigen Warten —
bis etwas in ihr
zu leuchten beginnt.

Dunkelheit ist kein Versagen des Lebens.
Sie gehört dazu —
wie der Winter zum Jahr,
wie die Nacht zum Tag.

Wer sie nicht flieht,
findet darin
eine Stille,
die das Licht nicht kennt.

← Alle Zustände