Enttäuschung
Enttäuschung kommt immer zu zweit.
Sie braucht eine Erwartung —
und eine Wirklichkeit,
die ihr nicht entspricht.
Sie zeigt sich selten sofort.
Manchmal als ein leises Verstummen,
das erst später einen Namen bekommt —
wenn der Moment schon vorbei ist.
Enttäuschung trägt etwas Paradoxes in sich.
Sie entsteht dort,
wo Vertrauen war —
sonst würde sie nicht schmerzen.
Sie richtet sich nicht immer auf andere.
Manchmal ist man von sich selbst enttäuscht —
von dem, was man nicht war,
nicht sagte, nicht wagte.
In der Enttäuschung liegt eine Information.
Was sie zeigt, ist nicht Schwäche —
sondern wo etwas
wirklich wichtig war.
Sie lässt sich nicht überspringen.
Eher wie ein Durchgang,
in dem man bemerkt,
was man sich erhofft hatte.
Enttäuschung lässt sich nicht wegdeuten.
Aber sie lässt sich befragen —
was sie über die eigene Erwartung sagt,
nicht nur über den anderen.
Sie verändert nicht, was war.
Aber sie verändert,
was man beim nächsten Mal
sehen will — und was nicht.
Wer Enttäuschung kennt,
hat gehofft.
Das ist nicht naiv —
sondern menschlich.