Ergriffenheit

Ergriffenheit hält einen fest.
Nicht durch Gewalt —
sondern weil etwas so nah gekommen ist,
dass man nicht mehr weiterdenken kann.

Sie kommt in Momenten,
die zu groß sind für Worte.
Musik, die trifft.
Ein Abschied, der zu früh kommt.

Wer ergriffen ist, steht still.
Nicht weil er nicht weiter weiß —
sondern weil dieser Moment
vollständige Aufmerksamkeit verlangt.

Sie richtet sich nicht immer auf Trauriges.
Manchmal ergreift Schönheit —
ein Licht, das fällt,
ein Mensch, der etwas wagt.

In der Ergriffenheit verschwindet Distanz.
Zwischen einem selbst und dem, was ist —
für einen Moment
kein Zwischenraum mehr.

Sie lässt sich nicht festhalten.
Wer sie beschreibt, während sie geschieht,
hat sie bereits
ein Stück weit verlassen.

Ergriffenheit hinterlässt eine Spur.
Das Wissen, dass etwas da war —
das größer war
als man selbst.

Wer sie kennt,
sucht keine Erklärung.
Er trägt sie —
als Beweis, dass Tiefe möglich ist.

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