Erinnerung
Erinnerung wählt selbst aus.
Nicht was wichtig war —
sondern was tief genug saß,
um zu bleiben.
Sie zeigt sich selten auf Bestellung.
Manchmal kommt sie durch einen Klang,
einen Geruch, ein Licht —
und ist plötzlich vollständig da.
Erinnerung trägt mehr als Vergangenheit.
Sie trägt das Gefühl —
nicht wie es war,
sondern wie es sich angefühlt hat.
Sie richtet sich nicht immer auf Schönes.
Manchmal hält sie fest,
was man lieber losgelassen hätte —
weil es zu tief saß.
In der Erinnerung lebt weiter,
was längst vorbei ist.
Nicht als Wiederholung —
sondern als Echo, das nachklingt.
Sie lässt sich nicht löschen durch Willen.
Eher wie ein Abdruck,
der schwächer werden kann —
aber seine Form behält.
Erinnerung lässt sich nicht kontrollieren.
Sie entsteht, wenn etwas
bedeutsam genug war,
um den Moment zu überleben.
Sie verändert nicht, was war.
Aber sie verändert sich selbst —
mit jedem Mal,
das man sie berührt.
Wer erinnert,
hält nicht fest.
Er trägt —
was ihn geformt hat.