Erschöpfung
Erschöpfung ist kein Mangel an Willen.
Sie entsteht dort,
wo zu lange zu viel gegeben wurde —
ohne dass etwas zurückkam.
Sie kündigt sich selten laut an.
Oft zeigt sie sich zuerst im Kleinen:
in einem Morgen, der schwer beginnt,
in einer Freude, die nicht mehr trägt.
Erschöpfung ist nicht dasselbe wie Müdigkeit.
Müdigkeit weicht dem Schlaf.
Erschöpfung bleibt —
auch nach der Nacht.
Viele versuchen,
sie zu ignorieren.
Doch sie verschwindet nicht durch Weitermachen,
sondern verdichtet sich mit jedem Tag.
Im Zustand der Erschöpfung
verliert Zeit ihre Struktur.
Was gestern noch möglich war,
liegt heute außer Reichweite.
Das ist kein Zeichen von Versagen.
Es ist eine Sprache des Körpers,
die sagt:
Hier. Jetzt. Nicht mehr.
Erschöpfung löst sich nicht durch Pause allein.
Sie braucht mehr:
eine Veränderung dessen,
was immer wieder entzieht.
Wer erschöpft ist,
muss nicht sofort verstehen.
Sondern zuerst aufhören,
gegen den eigenen Zustand zu arbeiten.
Erschöpfung hinterlässt eine Schwelle.
Wer sie überschritten hat, weiß:
Es gibt eine Grenze —
und sie ist real.