Erschütterung
Erschütterung ist kein Zusammenbruch.
Sie entsteht dort,
wo etwas Sicheres
plötzlich nicht mehr trägt.
Sie zeigt sich selten angekündigt.
Manchmal in einem Satz,
einer Nachricht,
einem Moment, der alles verschiebt.
Erschütterung ist nicht dasselbe wie Schmerz.
Schmerz tut weh.
Erschütterung verändert —
was man für wahr hielt.
Sie richtet sich nicht immer auf Verlust.
Manchmal erschüttert auch Schönheit,
eine Erkenntnis,
ein Blick, der zu tief geht.
In der Erschütterung verliert Gewohnheit ihren Halt.
Was selbstverständlich war,
steht plötzlich offen —
ohne Antwort.
Sie lässt sich nicht vorbereiten.
Eher wie ein Riss,
durch den Licht fällt —
und auch Kälte.
Erschütterung lässt sich nicht überspringen.
Sie entsteht, wenn etwas
tiefer trifft
als Fassung reicht.
Sie verändert nicht zurück,
was sie berührt hat.
Aber sie zeigt,
was darunter liegt.
Wer erschüttert wurde,
ist nicht gebrochen.
Er ist näher
an dem, was wirklich ist.