Euphorie
Euphorie reißt den Boden weg —
aber anders als Angst.
Nach oben, nicht nach unten.
Man schwebt, bevor man es bemerkt.
Sie übersetzt sich sofort in den Körper.
Der Herzschlag beschleunigt.
Die Gedanken laufen schneller als sonst.
Alles fühlt sich möglich an — weil es sich so anfühlt.
Sie kommt nach Momenten, die alles verändern.
Nach einer Nachricht, die man nicht erwartet hatte.
Nach einem Ergebnis, das man sich nicht zu wünschen wagte.
Nach dem ersten Atemzug auf der anderen Seite von etwas Schwerem.
Euphorie und Glück sind verschieden.
Glück ist ruhig, geerdet, still.
Euphorie ist laut — auch wenn sie schweigt.
Sie vibriert, sie drängt, sie will sich mitteilen.
Manchmal kommt sie grundlos.
Ein Morgen, eine Bewegung, ein Licht —
und plötzlich ist da ein Überschuss,
der keinen Anlass braucht.
Sie dauert nicht.
Das liegt in ihrer Natur.
Was so hoch trägt,
landet irgendwann — sanft oder weniger sanft.
Wer sie kennt, sucht sie manchmal zu sehr.
Und findet dann nur ihre Imitation —
lauter, aber hohl.
Die echte kommt ungerufen.
Wer Euphorie kennt,
weiß dass das Leben Momente bereithält,
in denen alles stimmt und brennt und leuchtet —
und dass man dafür offen bleiben muss.