Fieber
Fieber verändert die Welt.
Nicht dramatisch, nicht plötzlich —
sondern so, als hätte jemand
an allen Reglern leicht gedreht.
Konturen werden weicher.
Geräusche kommen von weiter weg.
Die Zeit dehnt sich —
oder zieht sich zusammen, ohne zu fragen.
Fieber ist nicht dasselbe wie Krankheit.
Krankheit ist der Zustand des Körpers.
Fieber ist der Zustand des Bewusstseins —
die Welt, die sich neu kalibriert.
Im Fieber denkt man anders.
Gedanken kommen ungeordnet, ungebeten.
Bilder tauchen auf, die man vergessen hatte.
Der Geist bewegt sich ohne Richtung — und findet trotzdem etwas.
Manchmal bringt es eine seltsame Klarheit.
Was tagsüber drängt und drückt,
verliert im Fieber sein Gewicht.
Als würde der Körper entscheiden, was wirklich zählt.
Es lässt sich nicht beschleunigen.
Fieber hat seinen eigenen Rhythmus.
Es brennt, was brennen muss —
und erlischt, wenn es fertig ist.
Man ist im Fieber allein.
Auch wenn jemand daneben sitzt.
Es ist ein Zustand, den man
nicht teilen kann — nur durchqueren.
Wer Fieber hatte — echtes, hohes, langes —
weiß, dass der Körper eine eigene Sprache spricht.
Eine, die man nur versteht,
wenn man aufgehört hat, dagegen anzureden.