Frieren

Frieren ist mehr als Kälte.
Kälte ist eine Temperatur.
Frieren ist ein Zustand —
der Körper, der sich nach innen zieht.

Es beginnt an den Rändern.
Finger, Zehen, die Stelle zwischen den Schultern.
Dann arbeitet es sich vor —
langsam, unaufhaltsam, methodisch.

Frieren ist nicht dasselbe wie Kälteempfinden.
Kälteempfinden ist Wahrnehmung.
Frieren ist Haltung —
der Körper, der sich schützt, indem er kleiner wird.

Manchmal friert man ohne Kälte.
Nach einem Schock, nach einer Nachricht.
Der Körper zieht sich zusammen,
als könnte er sich so unsichtbar machen.

Es gibt ein Frieren, das wohlig ist.
Draußen, wenn der erste Herbstwind kommt.
Der Körper meldet sich —
und man ist froh, ihn zu spüren.

Und es gibt ein Frieren, das nicht aufhört.
Das sich festsetzt, das bleibt.
Als wäre die Wärme irgendwo verloren gegangen
und hätte den Weg zurück vergessen.

Es lässt sich lindern, aber nicht befehlen.
Wärme hilft — manchmal.
Manchmal braucht es etwas anderes:
Nähe, Stille, Zeit.

Wer wirklich gefroren hat —
nicht nur gefroren war, sondern darin blieb —
weiß, dass Wärme kein Selbstverständnis ist.
Sondern ein Geschenk, das man bemerken muss.

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