Fülle

Fülle hat nichts mit Menge zu tun.
Ein einzelner Moment kann sie enthalten —
während ein ganzer Tag voller Ereignisse
leer bleibt.

Sie kommt ungerufen.
Manchmal in einem Abendlicht,
das auf eine Wand fällt —
und plötzlich genug ist.

Wer Fülle kennt, weiß:
sie lässt sich nicht anhäufen.
Sie entsteht im Augenblick —
und geht, wenn man anfängt, sie festzuhalten.

Sie verlangt keine Vorbereitung.
Manchmal trifft sie mitten in der Gewöhnlichkeit —
weil Gewöhnlichkeit
aufgehört hat, gewöhnlich zu sein.

Fülle ist das Gegenteil von Leere —
aber nicht ihr Feind.
Wer Leere kennt,
erkennt Fülle, wenn sie kommt.

Sie lässt sich nicht erzeugen durch Konsum.
Was von außen gefüllt wird,
bleibt innen
oft unberührt.

Fülle entsteht, wenn Innen und Außen
für einen Moment übereinstimmen —
wenn das, was ist,
genau das ist, was gebraucht wird.

Wer sie kennt,
sucht nicht mehr nach mehr.
Er sucht nach den Momenten,
in denen das Vorhandene reicht.

← Alle Zustände