Gegenwart
Gegenwart ist kein Zeitpunkt.
Sie entsteht dort,
wo Aufmerksamkeit aufhört,
woanders zu sein.
Sie zeigt sich selten angekündigt.
Manchmal in einem Geräusch,
das plötzlich nah ist —
obwohl es immer da war.
Gegenwart ist nicht dasselbe wie Stillstand.
Stillstand wartet.
Gegenwart bewegt sich —
und ist trotzdem ganz da.
Sie richtet sich nicht auf Dauer.
Manchmal ist sie nur ein Atemzug,
ein Blick,
ein Moment ohne Fortsetzung.
In der Gegenwart verliert Vergangenheit ihren Zug.
Was war, bleibt —
aber es regiert nicht mehr,
was gerade ist.
Sie lässt sich nicht festhalten.
Eher wie ein Zustand,
der sich zeigt,
wenn man aufhört, ihn zu suchen.
Gegenwart lässt sich nicht herstellen.
Sie entsteht, wenn Gedanken
nicht mehr vorauslaufen —
und der Moment genug ist.
Sie verändert nicht die Zeit.
Aber sie verändert,
wie viel davon
wirklich erlebt wird.
Wer in der Gegenwart ist,
vermisst nichts.
Nicht weil alles gut ist —
sondern weil alles da ist.