Geist
Geist ist das, was bleibt,
wenn der Körper schweigt —
und das, was spricht,
bevor der Körper es weiß.
Er zeigt sich selten direkt.
Manchmal in einer Frage,
die nicht loslässt —
weil sie tiefer geht als Antworten reichen.
Geist ist nicht dasselbe wie Verstand.
Verstand ordnet und bewertet.
Geist fragt weiter —
auch wenn alle Antworten gegeben sind.
Er richtet sich nicht nur nach innen.
Manchmal begegnet man ihm
in einem Text, einem Klang, einem Gespräch —
das einen verändert, ohne dass man es wollte.
Im Geist liegt Unruhe und Stille zugleich.
Die Unruhe des Suchenden —
und die Stille dessen,
der einen Augenblick lang angekommen ist.
Er lässt sich nicht besitzen.
Eher wie ein Gast,
der kommt, wenn man offen ist —
und geht, wenn man aufhört zu fragen.
Geist wächst nicht durch Wissen allein.
Er wächst durch Begegnung —
mit dem, was einen herausfordert,
erschüttert, öffnet.
Wer den Geist pflegt,
sammelt keine Antworten.
Er hält die Fragen lebendig —
weil er weiß, dass sie tragen.