Gelassenheit

Gelassenheit hält stand.
Nicht weil nichts passiert —
sondern weil das, was passiert,
den Boden nicht mehr erreicht.

Sie kommt mit den Jahren, sagt man.
Das stimmt manchmal.
Aber sie lässt sich auch früher finden —
von denen, die gelernt haben, loszulassen.

Gelassenheit verwechselt man leicht mit Gleichgültigkeit.
Gleichgültige Menschen haben aufgehört zu fühlen.
Gelassene fühlen — aber sie werden
von dem, was sie fühlen, nicht mehr fortgetragen.

Sie zeigt sich in Pausen.
In dem Moment, bevor man antwortet.
In der Fähigkeit, etwas stehen zu lassen,
ohne es lösen zu müssen.

Manchmal entsteht sie durch Erfahrung.
Man hat genug erlebt, um zu wissen:
Das meiste, was drängt,
drängt morgen nicht mehr.

Manchmal entsteht sie durch Erschöpfung.
Wenn man zu lange gekämpft hat
und plötzlich aufhört —
und in diesem Aufhören etwas findet.

Sie lässt sich üben, aber nicht befehlen.
Wer gelassen wirken will, spannt an.
Die echte Gelassenheit entspannt —
von innen, ohne Publikum.

Wer Gelassenheit kennt,
trägt einen ruhigen Kern in sich,
den das Außen bewegen kann —
aber nicht erschüttern.

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