Gleichgültigkeit

Gleichgültigkeit fühlt sich nach nichts an.
Das ist ihr Wesen —
und gleichzeitig
das Schwierigste an ihr.

Sie zeigt sich selten als Entscheidung.
Manchmal als ein langsames Verblassen —
von dem, was einmal
wichtig war.

Gleichgültigkeit ist nicht dasselbe wie Ruhe.
Ruhe hat einen Boden.
Gleichgültigkeit hat keinen —
sie schwebt, ohne zu tragen.

Sie richtet sich nicht immer nach außen.
Manchmal ist man sich selbst
gleichgültig geworden —
ohne zu merken, wann es begann.

In der Gleichgültigkeit fehlt der Widerstand.
Nicht weil alles gut ist —
sondern weil etwas aufgehört hat,
sich zu melden.

Sie lässt sich nicht überspielen.
Eher wie ein Zustand,
der zeigt,
dass zu viel zu lange zu wenig zurückgab.

Gleichgültigkeit lässt sich nicht befehlen zu gehen.
Sie weicht dort,
wo etwas wieder
berührt werden darf.

Sie verändert nicht die Welt.
Aber sie verändert,
wie viel von ihr
noch ankommt.

Wer Gleichgültigkeit kennt,
weiß: Sie ist kein Charakter —
sondern ein Zeichen,
dass etwas Aufmerksamkeit braucht.

← Alle Zustände