Gleichmut
Gleichmut ist kein Rückzug.
Er ist eine Ankunft —
bei dem, was ist,
ohne Widerstand und ohne Jubel.
Er hält die Mitte.
Nicht weil die Extreme fehlen —
sondern weil man gelernt hat,
von ihnen nicht mehr fortgetragen zu werden.
Er kommt mit den Jahren, manchmal.
Aus dem Wissen, dass das meiste vergeht —
das Schwere wie das Leichte —
und dass beides seinen Platz hat.
Gleichmut und Gleichgültigkeit werden verwechselt.
Gleichgültigkeit hat aufgehört zu fühlen.
Gleichmut fühlt — aber er bewertet nicht mehr
jeden Moment als Katastrophe oder Triumph.
Er zeigt sich in der Reaktion.
In der Pause vor dem Wort.
In der Fähigkeit, eine Nachricht zu lesen
und erst zu atmen, bevor man antwortet.
Manchmal wirkt er auf andere kühl.
Wer Gleichmut nicht kennt,
hält ihn für Desinteresse —
und versteht nicht, dass er das Gegenteil ist.
Er lässt sich nicht befehlen.
Wer gleichmütig wirken will, spannt an.
Der echte Gleichmut entspannt —
von innen, ohne Publikum, ohne Aufwand.
Wer Gleichmut kennt,
trägt einen ruhigen Blick auf die Dinge —
der nicht kälter macht,
sondern freier.