Grenzen
Grenzen sind keine Mauern.
Sie entstehen dort,
wo das Eigene aufhört —
und etwas anderes beginnt.
Sie zeigen sich selten als Linie.
Manchmal als ein Unbehagen,
das früher da ist
als jedes Wort.
Grenzen sind nicht dasselbe wie Distanz.
Distanz hält auf Abstand.
Grenzen ermöglichen Nähe —
weil sie das Eigene schützen.
Sie richten sich nicht immer nach außen.
Manchmal sind es Grenzen
gegenüber sich selbst —
gegenüber dem, was man sich zumutet.
In Grenzen entsteht Klarheit.
Nicht über andere —
sondern darüber,
was trägt und was entzieht.
Sie lassen sich nicht aufzählen.
Eher wie ein inneres Wissen,
das sich zeigt,
wenn es überschritten wird.
Grenzen lassen sich nicht erzwingen.
Sie entstehen, wenn jemand
gelernt hat,
seine Wahrnehmung ernst zu nehmen.
Sie verändern nicht die anderen.
Aber sie verändern,
was man bereit ist
weiterhin zu tragen.
Wer Grenzen kennt,
sagt nicht immer Nein.
Aber sein Ja
bedeutet etwas.