Heiterkeit

Heiterkeit ist keine Freude.
Freude hat einen Grund —
einen Moment, ein Ereignis, eine Person.
Heiterkeit braucht das nicht.

Sie liegt tiefer als Stimmung.
Stimmung kommt und geht mit dem Tag.
Heiterkeit bleibt —
auch wenn der Tag schwierig wird.

Sie zeigt sich in Kleinigkeiten.
In der Art, wie man einen Satz beendet.
In der Pause vor dem Lachen.
In dem, was man noch lustig findet, wenn vieles nicht mehr ist.

Heiterkeit ist nicht dasselbe wie Leichtigkeit.
Leichtigkeit entlastet.
Heiterkeit trägt —
sie macht das Gewicht erträglich, ohne es wegzunehmen.

Sie ist kein Schutz vor dem Schweren.
Wer heiter ist, leidet trotzdem.
Aber er leidet anders —
mit einem stillen Einverständnis, dass es so ist.

Sie lässt sich nicht erzwingen.
Wer Heiterkeit sucht, findet Anstrengung.
Sie kommt, wenn man aufgehört hat,
die Dinge anders haben zu wollen als sie sind.

Manchmal ist sie das Ergebnis langer Jahre.
Manchmal kommt sie an einem Morgen,
ohne Vorwarnung, ohne Anlass —
und man weiß nicht warum, aber man nimmt sie.

Wer Heiterkeit kennt,
trägt etwas in sich,
das weder Glück noch Gleichmut ist —
sondern beides, und noch etwas mehr.

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