Herzlichkeit

Herzlichkeit spürt man sofort.
Noch bevor ein Wort gefallen ist —
in der Art, wie jemand den Raum betritt,
wie ein Blick einen empfängt.

Sie kommt aus einem Inneren, das offen ist.
Nicht demonstrativ, nicht laut —
einfach zugewandt,
ohne Vorbehalt und ohne Kalkül.

Herzlichkeit und Freundlichkeit sind verschieden.
Freundlichkeit kann gelernt sein, kann Form sein.
Herzlichkeit nicht —
sie kommt, oder sie kommt nicht.

Sie zeigt sich in Gesten, die niemand plant.
In dem, was jemand fragt, ohne zu müssen.
In der Pause, die jemand lässt,
damit man zu Ende sprechen kann.

Manchmal ist sie an Menschen gebunden,
die man kaum kennt.
Ein Fremder, der so fragt, als hätte er Zeit.
Ein Moment, der wärmt, ohne dass man weiß warum.

Sie überträgt sich.
Wer ihr begegnet, trägt etwas davon weiter —
oft ohne es zu merken,
oft ohne es zu wollen.

Sie lässt sich nicht spielen.
Gespielte Herzlichkeit kühlt ab,
sobald der Anlass wegfällt.
Die echte bleibt — auch wenn es nichts zu gewinnen gibt.

Wer Herzlichkeit kennt —
die eigene und die der anderen —
weiß dass sie das Einfachste
und das Seltenste zugleich ist.

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