Hochgefühl

Hochgefühl trägt einen.
Nicht metaphorisch —
der Körper wird leichter,
die Schritte kürzer, der Atem weiter.

Es kommt nach Momenten, die zählen.
Nach dem Abschluss von etwas Langem.
Nach einer Nachricht, auf die man gewartet hat.
Nach dem ersten Atemzug auf einem Gipfel.

Es übersetzt sich in Großzügigkeit.
Wer im Hochgefühl ist, gibt leichter.
Lacht schneller, verzeiht schneller,
sieht das Gute ohne Anstrengung.

Es verändert, wie die Welt aussieht.
Dieselbe Straße, dasselbe Licht —
aber alles hat eine andere Qualität.
Als wäre ein Filter weggezogen worden.

Hochgefühl dauert nicht.
Das gehört zu ihm wie die Höhe zur Welle.
Wer das weiß, genießt es anders —
vollständiger, ohne Festhalten.

Es lässt sich nicht verlängern.
Wer es hält, merkt wie es sich verändert —
in Anspannung, in Erwartung, in Angst vor dem Ende.
Der Moment, wo man aufhört zu feiern und anfängt zu schützen.

Es hinterlässt etwas.
Eine Erinnerung, die wärmt.
Den Beweis, dass solche Momente möglich sind —
und dass sie wiederkommen.

Wer Hochgefühl kennt,
weiß dass das Leben Gipfel bereithält —
und dass man sie nicht planen kann.
Nur offen bleiben für sie.

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