Innere Weite

Innere Weite entsteht nicht durch Leere.
Sie entsteht, wenn etwas loslässt —
ein Gedanke, eine Anspannung, ein Festhalten,
das man so lange nicht bemerkt hatte.

Sie hat eine Qualität wie Horizont.
Man sieht nicht weiter als sonst —
aber der Blick kann sich ausbreiten,
ohne gegen etwas zu stoßen.

Manchmal kommt sie in der Natur.
Wenn das Land weit wird und der Himmel größer.
Der Körper nimmt die Proportion an —
und etwas innen folgt.

Manchmal kommt sie durch ein Gespräch.
Durch das Gefühl, wirklich gehört zu werden.
Als würde Verstandenwerden
Raum schaffen, den man vorher nicht hatte.

Innere Weite trägt keine Dringlichkeit.
Was drängte, drängt hier weniger.
Was drückte, hat Abstand gewonnen —
ohne dass man etwas dafür getan hätte.

Sie öffnet, ohne zu fordern.
Wer in ihr ist, muss nichts entscheiden,
nichts lösen, nichts werden —
nur da sein, in diesem Raum.

Sie lässt sich nicht herstellen.
Stille allein genügt nicht, Natur allein nicht.
Sie kommt, wenn innen und außen
für einen Moment dieselbe Sprache sprechen.

Wer innere Weite kennt,
trägt einen Maßstab in sich —
an dem er merkt, wie eng
die meisten anderen Zustände sind.

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