Kontemplation

Kontemplation sucht nichts.
Das unterscheidet sie
von allem anderen,
was der Geist sonst tut.

Sie entsteht, wenn Fragen aufhören —
nicht weil sie beantwortet sind,
sondern weil der Moment
keine mehr braucht.

Wer kontempliert, denkt nicht nach.
Er hält inne vor etwas —
einem Licht, einem Gedanken, einer Stille —
und lässt es einfach sein.

Sie richtet sich nicht auf ein Ziel.
Kontemplation ist kein Weg zu etwas —
sie ist das Verweilen
bei dem, was bereits da ist.

In der Kontemplation entsteht ein Sehen,
das über das Schauen hinausgeht.
Nicht mehr und nicht weniger —
nur tiefer.

Sie lässt sich nicht erzwingen.
Wer sie sucht, findet sie selten.
Sie kommt, wenn man aufgehört hat,
irgendwo ankommen zu wollen.

Kontemplation verändert nicht die Welt.
Aber sie verändert den,
der lange genug
bei ihr geblieben ist.

Wer sie kennt,
braucht weniger.
Nicht aus Verzicht —
sondern weil das Vorhandene plötzlich reicht.

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