Lebensfreude
Lebensfreude rechtfertigt sich nicht.
Sie braucht keinen Anlass,
keine besondere Lage,
keinen Grund, der sich benennen ließe.
Sie sitzt tiefer als Stimmung.
Stimmung hängt am Tag, am Wetter, am Schlaf.
Lebensfreude bleibt —
auch wenn der Tag schwierig wird.
Sie zeigt sich in der Haltung zum Morgen.
In dem, was man als erstes wahrnimmt,
wenn man aufwacht —
ob die Welt sich öffnet oder schließt.
Manchmal steckt sie in Kleinigkeiten.
In einem Geruch, der zurückbringt.
In Licht, das durch ein Fenster fällt.
In dem Lachen über etwas, das eigentlich nichts war.
Sie übersteht Verluste.
Wer sie tief genug trägt,
verliert sie durch schwere Zeiten nicht —
er findet sie danach wieder, verändert, aber da.
Sie teilt sich mit.
Wer sie hat, verbreitet sie —
ohne es zu wollen, ohne Methode.
Einfach dadurch, dass er so ist.
Sie lässt sich nicht simulieren.
Wer Lebensfreude spielt, strengt sich an.
Die echte braucht keine Bühne —
sie ist einfach da, im Alltäglichen, im Stillen.
Wer Lebensfreude kennt —
nicht als Glück, nicht als Leichtigkeit,
sondern als den stillen Grund unter allem —
trägt etwas, das sich nicht wegnehmen lässt.