Lebenslust
Lebenslust ist kein Hochgefühl.
Sie liegt tiefer —
ein Ja zum Leben,
das sich nicht erst begründen muss.
Sie zeigt sich in der Bereitschaft.
Den nächsten Tag anzugehen.
Das nächste Gespräch zu wollen.
Den nächsten Morgen als Möglichkeit zu sehen.
Manchmal ist sie laut.
Gelächter, Bewegung, Appetit auf alles.
Der Körper, der mehr will —
mehr Erlebnis, mehr Begegnung, mehr Welt.
Manchmal ist sie still.
Ein ruhiges Einverständnis mit dem,
was das Leben bereithält —
ohne Forderung, ohne Ungeduld.
Lebenslust und Lebensfreude sind verwandt —
aber Lebensfreude ist der Zustand.
Lebenslust ist der Antrieb dahinter —
das Wollen, das Begehren, das Hungrigsein.
Sie übersteht Schweres.
Wer sie tief genug trägt,
findet sie nach dunklen Zeiten wieder —
verändert, aber ungebrochen.
Sie lässt sich wecken.
Durch Menschen, die sie haben.
Durch Orte, die einen erinnern.
Durch Momente, die zeigen, dass es das wert ist.
Wer Lebenslust kennt —
die hungrige, die unerschöpfliche —
weiß dass sie das eigentliche Fundament ist,
auf dem alles andere steht.