Mattigkeit
Mattigkeit liegt über allem
wie ein dünner Schleier.
Nichts schmerzt, nichts drängt —
alles ist nur etwas weniger.
Sie ist leiser als Erschöpfung.
Erschöpfung hat einen Grund, eine Geschichte.
Mattigkeit ist einfach da —
ohne Erklärung, ohne Anlass.
Der Körper macht mit, aber ohne Überzeugung.
Die Bewegungen stimmen,
die Worte kommen —
aber etwas fehlt hinter allem.
Manchmal kommt sie nach zu viel.
Nach Wochen, die zu dicht waren.
Der Körper hat gezahlt —
und schickt jetzt die Rechnung.
Manchmal kommt sie ohne Vorwarnung.
Ein Tag, der sich zäh anfühlt.
Kein besonderer Grund, keine Erklärung —
nur dieses gedämpfte Gefühl von allem.
Sie verlangt nichts Großes.
Kein Durchhalten, keine Überwindung —
manchmal reicht ein Fenster öffnen,
ein Glas Wasser, ein kurzes Stehenbleiben.
Sie geht vorbei.
Fast immer schneller als man glaubt.
Wer ihr Raum gibt, statt gegen sie anzugehen,
merkt dass sie sich von selbst auflöst.
Wer Mattigkeit kennt,
weiß dass der Körper manchmal
auf Sparflamme schaltet —
nicht aus Schwäche, sondern aus Klugheit.