Melancholie

Melancholie ist kein schlechter Tag.
Sie ist ein Grundton —
der unter allem liegt
und manchmal nach oben kommt.

Sie zeigt sich selten dramatisch.
Manchmal in einem Nachmittag,
der ohne Grund schwer wird —
und es eine Weile bleibt.

Melancholie ist nicht dasselbe wie Trauer.
Trauer hat einen Grund.
Melancholie braucht keinen —
sie ist einfach da.

Sie richtet sich nicht immer nach innen.
Manchmal entsteht sie
aus einem Licht, einem Klang,
einer Jahreszeit, die etwas öffnet.

In der Melancholie liegt eine eigene Schönheit.
Nicht die helle —
sondern eine, die nur sichtbar wird,
wenn man aufhört, sie zu vertreiben.

Sie lässt sich nicht wegheitern.
Eher wie ein Besucher,
der bleibt, solange er muss —
und geht, ohne sich zu verabschieden.

Melancholie lässt sich nicht erklären.
Sie entsteht dort,
wo Tiefe mehr Raum braucht
als der Alltag erlaubt.

Sie verändert nicht die Welt.
Aber sie verändert den Blick —
auf das, was vergänglich ist,
und gerade deshalb zählt.

Wer Melancholie kennt,
kämpft nicht mehr gegen sie.
Er weiß, dass sie auch trägt —
auf ihre eigene, dunkle Weise.

← Alle Zustände