Mitgefühl

Mitgefühl beginnt nicht mit einer Geste.
Es beginnt mit dem Moment,
in dem man aufhört,
den anderen zu erklären.

Es zeigt sich selten spektakulär.
Manchmal in einer Pause,
bevor man antwortet —
weil man wirklich gehört hat.

Mitgefühl ist nicht dasselbe wie Mitleid.
Mitleid schaut von oben.
Mitgefühl stellt sich daneben —
ohne zu werten.

Es richtet sich nicht immer auf andere.
Manchmal ist das Mitgefühl mit sich selbst
das Schwierigste —
weil man den eigenen Maßstab kennt.

Im Mitgefühl entsteht Verbindung.
Nicht weil man versteht, was der andere fühlt —
sondern weil man anerkennt,
dass er es fühlt.

Es lässt sich nicht vortäuschen.
Eher wie eine Haltung,
die entweder da ist —
oder spürbar fehlt.

Mitgefühl lässt sich nicht erzwingen.
Es entsteht, wenn man bereit ist,
den eigenen Abstand
für einen Moment aufzugeben.

Es verändert nicht, was den anderen belastet.
Aber es verändert,
ob er es
alleine tragen muss.

Wer Mitgefühl kennt,
weiß: Es kostet etwas.
Und gibt gleichzeitig
mehr zurück, als es nimmt.

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