Morgenstimmung
Morgenstimmung ist der erste Eindruck des Tages.
Noch bevor man entschieden hat, wie er wird —
hat der Körper bereits
eine Meinung dazu.
Sie sitzt in den ersten Minuten.
Im Licht, das durch den Vorhang fällt.
Im Geräusch, das als erstes kommt.
In dem Gefühl, mit dem man die Augen öffnet.
Manchmal ist sie weit.
Ein Morgen, der sich öffnet —
der Körper leicht, der Kopf still,
die Welt noch ohne Anforderung.
Manchmal ist sie eng.
Der Tag liegt bereits schwer,
bevor er begonnen hat.
Eine Ahnung von dem, was wartet.
Morgenstimmung lässt sich beeinflussen — aber nicht bestimmen.
Schlaf, Licht, Stille helfen.
Aber manche Morgen haben ihre eigene Logik —
unabhängig von allem, was man tut.
Sie ist ehrlicher als der Rest des Tages.
Bevor die Rolle beginnt, bevor man funktioniert —
ist da ein Moment, in dem man einfach ist,
ungefiltert, unvorbereitet.
Wer ihr Raum gibt,
statt sofort ins Tun zu springen,
erfährt etwas über sich —
das der Tag später oft verbirgt.
Wer Morgenstimmung kennt —
die eigene, die wiederkehrende —
weiß dass der erste Moment des Tages
oft der wahrhaftigste ist.