Nachklang

Nachklang ist das, was bleibt,
wenn der Moment selbst schon vorbei ist.
Nicht Erinnerung —
etwas Körperlicheres, Unmittelbareres.

Er sitzt noch in den Schultern
nach einem langen Gespräch.
In der Brust nach Musik, die getroffen hat.
Im Blick nach einem Abschied, der zu schnell kam.

Nachklang und Erinnerung sind verschieden.
Erinnerung rekonstruiert.
Nachklang schwingt noch —
er braucht keine Rekonstruktion, er ist noch da.

Manchmal ist er angenehm.
Das warme Hallen eines guten Abends,
der langsam ausklingt
wie ein Ton, der sich auflöst.

Manchmal ist er schwer.
Ein Wort, das nachhallt, obwohl man es vergessen wollte.
Ein Bild, das sich festgesetzt hat.
Ein Gefühl, das nicht weiß, dass es enden darf.

Er lässt sich nicht beschleunigen.
Wer den Nachklang abschneiden will,
schneidet auch den Moment ab —
rückwirkend, als hätte er nicht gezählt.

Er gehört zum Erlebnis dazu.
Das Ende des Klingens
ist noch Teil des Tons —
nicht sein Gegenteil.

Wer Nachklang kennt,
weiß dass Momente nicht enden,
wenn sie vorbei sind —
sondern wenn man aufgehört hat, sie zu hören.

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