Nähe
Nähe ist keine Frage der Entfernung.
Sie entsteht dort,
wo jemand ankommt —
ohne dass er sich erklären musste.
Sie zeigt sich selten durch Berührung allein.
Manchmal in einem Schweigen,
das nicht gefüllt werden muss —
weil es bereits getragen wird.
Nähe ist nicht dasselbe wie Vertrautheit.
Vertrautheit kennt die Geschichte.
Nähe ist im Jetzt —
ohne Voraussetzung.
Sie richtet sich nicht immer auf Menschen.
Manchmal entsteht sie
zu einem Ort, einem Licht,
einem Moment, der sich nicht erklärt.
In der Nähe verliert Vorsicht ihren Grund.
Nicht weil Gefahr fehlt —
sondern weil etwas
wichtiger geworden ist.
Sie lässt sich nicht herstellen.
Eher wie ein Augenblick,
in dem zwei Anwesenheiten
dieselbe Richtung haben.
Nähe lässt sich nicht einfordern.
Sie entsteht, wenn beide
aufgehört haben,
eine Rolle zu spielen.
Sie verändert nicht, wer man ist.
Aber sie zeigt,
wer man sein kann —
wenn niemand bewertet.
Wer echte Nähe kennt,
verwechselt sie nicht mehr
mit Gesellschaft —
oder mit dem Bedürfnis danach.