Niedergeschlagenheit
Niedergeschlagenheit hat ein Gewicht.
Man trägt es mit —
ohne zu wissen, wann man es
aufgenommen hat.
Sie zeigt sich im Tempo.
Alles wird langsamer, zäher, schwerer.
Was sonst leicht von der Hand geht,
fordert mehr als es sollte.
Sie hat meist einen Auslöser.
Eine Enttäuschung, ein Misserfolg, ein Verlust.
Etwas, das nicht so wurde
wie man es sich gewünscht hatte.
Trauer geht tiefer, dauert länger.
Niedergeschlagenheit ist näher am Alltag —
sie unterbricht nicht alles,
sie verdunkelt es nur.
Sie verändert den inneren Dialog.
Die Stimme, die bewertet, wird lauter.
Was misslungen ist, bekommt mehr Raum
als das, was gelungen ist.
Manchmal braucht sie nur Zeit.
Ein Schlaf, ein Morgen, ein Gespräch —
und die Last hat sich verschoben,
ohne dass man etwas dafür getan hätte.
Manchmal braucht sie mehr.
Eine ehrliche Auseinandersetzung
mit dem, was sie ausgelöst hat —
und die Bereitschaft, hinzuschauen.
Wer Niedergeschlagenheit kennt,
weiß dass sie selten das letzte Wort hat —
und dass der nächste Morgen
nicht immer, aber oft, ein anderer ist.