Offenheit

Offenheit kostet etwas.
Sie verlangt, den eigenen Standpunkt
für einen Moment loszulassen —
um zu sehen, was dahinter liegt.

Sie zeigt sich selten als Haltung ohne Anstrengung.
Manchmal ist sie eine Entscheidung,
die man immer wieder neu trifft —
weil Geschlossenheit bequemer wäre.

Offenheit trägt mehr als Toleranz.
Toleranz erträgt das Andere.
Offenheit lässt es
wirklich ankommen.

Sie richtet sich nicht immer auf Menschen.
Manchmal ist es die Offenheit
gegenüber dem eigenen Wandel —
dem, was man noch nicht ist, aber werden könnte.

Wer offen bleibt, wird berührt.
Das ist ihr Preis —
und gleichzeitig
ihr eigentlicher Wert.

Sie lässt sich nicht vortäuschen.
Ein Körper, der sich verschließt,
weiß es früher
als der Kopf zugibt.

Offenheit entsteht nicht durch Überzeugung.
Sie wächst dort,
wo Sicherheit groß genug ist,
um Unsicherheit auszuhalten.

Wer offen ist,
hat keine Antworten bereit.
Er hat etwas Selteneres —
die Bereitschaft, überrascht zu werden.

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