Perfektionismus
Perfektionismus trägt eine gute Absicht in sich.
Er will, dass es stimmt —
dass nichts übersehen wurde,
dass das Ergebnis hält.
Nur verschiebt er das Ziel,
während man arbeitet.
Was gut war, reicht nicht mehr.
Was fertig ist, hat noch einen Fehler.
Perfektionismus ist nicht dasselbe wie Sorgfalt.
Sorgfalt arbeitet auf ein Ende hin.
Perfektionismus verschiebt es —
weil Fertigsein auch Beurteilung bedeutet.
Er richtet sich nicht immer auf Arbeit.
Manchmal auf das eigene Auftreten,
den eigenen Körper,
die Art, wie man geliebt werden will.
Im Perfektionismus steckt oft Angst.
Nicht vor schlechter Arbeit —
sondern vor dem Urteil,
das nach der Arbeit kommt.
Er lässt sich nicht wegdenken durch Einsicht.
Eher wie ein Maßstab,
der sich senkt —
wenn Selbstmitgefühl größer wird als Anspruch.
Perfektionismus lässt sich nicht abstellen.
Aber er lässt sich befragen —
wessen Stimme da spricht,
und ob sie noch stimmt.
Er verändert nicht, was möglich ist.
Aber er verändert,
wie viel davon
jemals begonnen wird.
Wer den Perfektionismus kennt,
weiß: Das Unfertige
ist oft näher an der Wahrheit
als das Polierte.