Ratlosigkeit
Ratlosigkeit hält inne.
Nicht aus Faulheit, nicht aus Gleichgültigkeit —
sondern weil keine der verfügbaren Richtungen
sich richtig anfühlt.
Sie entsteht, wenn das Denken
an seine eigene Grenze stößt.
Man dreht, man wendet, man sucht —
und kommt immer wieder am selben Punkt an.
Der Körper spiegelt sie.
Die Hände, die nichts greifen.
Der Blick, der irgendwo landet
ohne wirklich zu sehen.
Ratlosigkeit und Verzweiflung sind verschieden.
Verzweiflung kämpft, schreit, bäumt sich auf.
Ratlosigkeit ist stiller —
ein offenes Stehen vor dem, was keine Antwort hat.
Manchmal ist sie ehrlicher als Gewissheit.
Wer nicht weiß, sagt es.
Wer zugibt, ratlos zu sein,
hat aufgehört zu tun als ob.
Sie öffnet manchmal etwas.
Im Loslassen des Müssens,
im Aufhören des Suchens —
kommt manches von selbst, was Druck verhindert hatte.
Sie lässt sich nicht überlisten.
Wer so tut als wüsste er,
trägt die Ratlosigkeit weiter —
nur verborgen, nur schwerer.
Wer Ratlosigkeit kennt —
die echte, die ausgehaltene —
weiß dass das Nichtwissen
manchmal der ehrlichste Ort ist, an dem man stehen kann.