Reife

Reife kommt nicht mit dem Alter.
Sie kommt mit dem, was man
durchgestanden hat —
und wie man danach mit sich umgeht.

Sie zeigt sich selten als Ankunft.
Eher als ein veränderter Blick —
auf das, was früher unerträglich war
und jetzt nur noch schwer ist.

Wer reif ist, hat nicht weniger Gefühle.
Er hat gelernt,
sie zu tragen
ohne von ihnen getragen zu werden.

Sie richtet sich nicht immer nach vorn.
Manchmal zeigt sich Reife
im Rückblick —
in dem, was man heute anders täte.

In der Reife entsteht Gelassenheit.
Nicht die gleichgültige —
sondern eine, die weiß,
was es gekostet hat.

Sie lässt sich nicht überspringen.
Eher wie ein Boden,
der sich schichtet —
aus allem, was man erlebt und ausgehalten hat.

Reife zeigt sich am deutlichsten
im Umgang mit dem,
was sich nicht ändern lässt —
und der Würde, die dabei bleibt.

Wer reif ist,
kämpft nicht mehr gegen alles.
Er wählt seine Kämpfe —
weil er weiß, was ihn wirklich kostet.

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