Rührung

Rührung kommt ungebeten.
Ein Satz, ein Bild, eine Geste —
und plötzlich ist da etwas,
das größer ist als der Moment.

Sie zeigt sich selten ankündigt.
Manchmal in einem Film,
manchmal in einem fremden Gesicht —
das etwas trägt, das man kennt.

Wer gerührt ist, wird erreicht.
Durch die Schichten hindurch,
die man aufgebaut hat —
bis zu dem, was wirklich da ist.

Sie richtet sich nicht immer auf Schönes.
Manchmal rührt das Schwere —
die Würde im Schmerz,
die Stille nach einem langen Weg.

In der Rührung liegt keine Schwäche.
Sie zeigt, dass man noch erreichbar ist —
dass etwas durchkommt,
obwohl man glaubte, sich geschützt zu haben.

Sie lässt sich nicht steuern.
Wer versucht, sie zurückzuhalten,
spürt sie trotzdem —
nur woanders.

Rührung hinterlässt etwas.
Eine Erinnerung daran,
dass man noch fühlt —
tiefer als man dachte.

Wer sich rühren lässt,
hat nichts verloren.
Er hat sich einen Moment lang
selbst begegnet.

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