Sanftheit
Sanftheit wird unterschätzt.
Als wäre sie das Gegenteil von Stärke —
dabei braucht sie mehr davon
als Härte je verlangt.
Sie zeigt sich selten laut.
Manchmal in einer Hand,
die hält ohne zu greifen —
in einem Wort, das Raum lässt.
Sanftheit trägt mehr als Freundlichkeit.
Freundlichkeit ist eine Geste.
Sanftheit ist eine Haltung —
die auch dann bleibt, wenn es schwer wird.
Sie richtet sich nicht immer auf andere.
Manchmal ist die schwierigste Sanftheit
die mit sich selbst —
in dem, was man sich sagt, wenn niemand zuhört.
In der Sanftheit entsteht Sicherheit.
Nicht die gepanzerte —
sondern eine, die trägt,
weil sie nichts beweisen muss.
Sie lässt sich nicht aufsetzen.
Eher wie ein Ton,
der von innen kommt —
und sich im Äußeren zeigt.
Sanftheit lässt sich nicht erzwingen.
Sie entsteht, wenn man aufgehört hat,
sich gegen das Leben
zu stemmen.
Sie verändert nicht, was hart ist.
Aber sie verändert,
wie man sich
dazu verhält.
Wer sanft ist,
hat nicht weniger erlebt.
Er hat gelernt,
es anders zu tragen.